Red Bull signalisiert in der Formel 1 Unterstützung für schärfere Regeln zur Absicherung der Team-Unabhängigkeit, obwohl McLaren den Druck auf die FIA wegen des Verhältnisses zwischen Red Bull Racing und Racing Bulls weiter erhöht. Laurent Mekies sagte in Montreal, Red Bull würde zusätzliche Maßnahmen mittragen, falls der Sport weitere Garantien für unabhängigen Wettbewerb auf der Strecke für nötig hält.
Mekies, Red-Bull-Racing-Verantwortlicher, formulierte die Linie dabei ungewöhnlich offen. „Wir wollen alle elf Teams völlig unabhängig fahren sehen“, sagte er. Falls andere Akteure des Sports oder Institutionen weitere Schritte für nötig hielten, „werden wir sie unterstützen“.
Damit verschiebt sich die Debatte zumindest teilweise weg von der reinen Frage des Mehrfachbesitzes. Mekies argumentierte, das Thema lasse sich nicht auf Eigentumsstrukturen oder strategische Partnerschaften reduzieren, weil das Fahrerlager bereits von sehr unterschiedlichen Verflechtungen geprägt sei. Er verwies auf Motorenlieferanten, Getriebe- und Fahrwerkslieferungen, technische Partnerschaften sowie partielle oder vollständige Beteiligungen. Der Kern seiner Argumentation: Wenn die Formel 1 neue Regeln beschließt, müssten sie breiter greifen als nur beim Red-Bull-Modell.
Genau dort setzt McLaren mit seiner Kritik an. CEO Zak Brown hatte den Vorstoß zuletzt mit zwei öffentlichen Interventionen verschärft. In einem Schreiben an FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem forderte er „volle Unabhängigkeit für 11 Teams“. In einem offenen Brief an die McLaren-Fans vor dem Monaco-Grand-Prix legte er nach und schrieb, abgesehen von den Power Units sollten Teams „vollständig unabhängig operieren, um totale Fairness sicherzustellen“.
Red Bull widerspricht diesem Grundsatz nicht, zieht daraus aber keine Konsequenz für die eigene Struktur. Nach den vorliegenden Angaben gibt es intern keinerlei Überlegung, sich von Racing Bulls zu trennen. Mekies betonte stattdessen, man unterstütze jede zusätzliche Maßnahme, die belege, dass Teams unabhängig von strategischen Beziehungen oder Eigentumsstrukturen auf der Strecke eigenständig gegeneinander antreten.
Gerade deshalb dürfte der nächste Schritt in den FIA- und F1-Gremien nicht zwingend in einem isolierten Verbot von Mehrfachbesitz liegen. Wahrscheinlicher ist eine breitere Diskussion über nachweisbare Garantien der Unabhängigkeit, die technische, finanzielle und sportliche Beziehungen zwischen allen elf Teams gleichermaßen erfassen würden.
© Jonathan Borba