© Jonathan Borba

Red Bull kontert McLaren im FIA-Streit um Teams

Red Bull hat im Streit um Mehrfachbesitz in der Formel 1 auf McLarens Vorstoß reagiert und sich offen für zusätzliche FIA-Schutzmechanismen gezeigt, zugleich aber betont, dass das eigene Modell mit Racing Bulls bereits heute regelkonform und unabhängig funktioniere.

Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies sagte beim Kanada-Grand-Prix in Montreal, man unterstütze weitere Schritte, falls diese nötig seien, um die Unabhängigkeit aller Teams auf der Strecke sicherzustellen. „Wir wollen alle 11 Teams, die unabhängig voneinander auf der Strecke fahren“, sagte Mekies. In den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren habe der Sport bereits viele Schritte unternommen, um diese Unabhängigkeit weiter zu stärken. Falls irgendein Stakeholder zusätzliche Maßnahmen für nötig halte, „würden wir das unterstützen“.

Der Auslöser ist ein Schreiben von McLaren-Racing-CEO Zak Brown an die FIA und ihren Präsidenten Mohammed Ben Sulayem. Brown drängt auf eine schnelle Klärung beim Thema „Multi-Team Ownership and Strategic Alliances“ und sieht in solchen Strukturen ein Risiko für die sportliche Integrität der Formel 1. Die Debatte hat zusätzlich an Fahrt aufgenommen, weil Mercedes Berichten zufolge an einem 24-Prozent-Anteil an Alpine interessiert ist, den Otro Capital abgeben möchte.

Bemerkenswert an Red Bulls Antwort ist, dass Mekies Browns Stoßrichtung nicht grundsätzlich zurückwies. Stattdessen verschob er die Diskussion weg von der Eigentumsfrage. Aus seiner Sicht geht es nicht im Kern um Besitzverhältnisse, weil es in der Boxengasse „sehr viele verschiedene Wege“ der Zusammenarbeit gebe, darunter Motoren, Getriebe, Aufhängungen sowie teilweise oder vollständige Beteiligungen. Entscheidend sei für Red Bull allein, dass die Teams unabhängig gegeneinander fahren.

McLaren beharrt trotzdem auf einer schärferen Linie. Andrea Stella, McLaren-Teamchef, sagte im Paddock von Montreal, Browns Position sei Teil eines „konstruktiven und gesunden“ Prozesses, der zugleich „sehr klar“ sei. Für McLaren sei die Formel 1 „eine Meisterschaft zwischen unabhängigen Konstrukteuren“, und dieses Prinzip müsse „vollständig durchgesetzt“ werden. Stella sagte, nun sei es an der Formel-1-Gemeinschaft zu überlegen, wie das vollständig umgesetzt werden könne, damit „Fairness im Spiel und im Wettbewerb“ vollständig erreicht werde und die eigentliche Wirkung der technischen, sportlichen und finanziellen Regeln zur Geltung komme.

Direkt angesprochen ist damit auch Racing Bulls. Dessen Teamchef Alan Permane wies den Vorwurf eines problematischen Modells zurück und beschrieb die Verbindung zu Red Bull Racing als „sehr stark eine Kunden-Lieferanten-Beziehung“. Racing Bulls beziehe Aufhängungsteile, Getriebe und weitere Bauteile, die das technische Reglement erlaube. Diese Regeln befolge das Team „sehr rigoros“, sagte Permane.

Gerade diese Verbindung verursache aus seiner Sicht keinen Graubereich, sondern zusätzlichen Aufwand. Viel Arbeit fließe in den Nachweis, dass alle Vorschriften eingehalten würden, sagte Permane. „Also wird viel Aufwand, der in andere Bereiche fließen könnte, darauf verwendet sicherzustellen, dass wir diese Regeln einhalten. Deshalb sehe ich überhaupt kein Problem mit der Art und Weise, wie wir derzeit arbeiten.“

Damit ist die Frontlinie klarer geworden: McLaren fordert schärfere Leitplanken, weil es die Formel 1 als Wettbewerb unabhängiger Konstrukteure geschützt sehen will. Red Bull signalisiert Gesprächsbereitschaft für weitere Maßnahmen, will die Debatte aber nicht auf Eigentumsstrukturen verengen und besteht darauf, dass das aktuelle System schon heute innerhalb der Regeln funktioniert.