Red Bull geht mit einem möglichen strategischen Vorteil in den Großen Preis von Großbritannien, obwohl Max Verstappen nur von Platz sieben und Isack Hadjar von Platz fünf startet: Beide haben für das 52-Runden-Rennen in Silverstone noch zwei brandneue Medium-Sätze übrig, während die direkten Gegner von Mercedes, Ferrari und McLaren nur noch je einen frischen Medium-Satz zur Verfügung haben.
Das könnte gerade deshalb entscheidend werden, weil Pirelli für Sonntag praktisch ein Einstopp-Rennen erwartet. Der wahrscheinlichste Plan sieht vor, auf den Medium-Reifen zu starten und zwischen Runde 24 und 30 auf Hard zu wechseln. Pirelli-Motorsportdirektor Dario Marafuski sagte, die Simulationen zeigten, dass der Einstopper „etwa 13 Sekunden schneller als der Zweistopper“ sei, weil der Reifenabbau am Samstag niedriger ausgefallen sei als erwartet und die aktuellen Formel-1-Autos in Silverstone ihre Energie sehr effizient managten.
Damit gewinnt Red Bulls verbliebener Reifenbestand an Bedeutung. Sollte das Feld dem Standardfenster folgen, haben Verstappen und Hadjar im Vergleich zur Konkurrenz mehr Spielraum, falls das Rennen vom Idealplan abweicht oder ein späterer Stopp attraktiver wird.
Eine Alternative bleibt laut Pirelli ebenfalls ein Einstopper von Medium auf Soft, mit einem Wechsel zwischen Runde 29 und 35. Doch auch diese Variante erhöht den Wert der frischen Mediums bei Red Bull, denn keiner der Spitzenfahrer verfügt noch über einen neuen Soft-Satz.
Besonders brisant wird das bei einer späten Safety-Car-, Virtual-Safety-Car- oder Rotphase. In diesem Fall könnte Red Bull auf den zweiten neuen Medium-Satz reagieren und Verstappen sowie Hadjar für den Restart auf frischerem und flexiblerem Material als die Rivalen losschicken, die eher auf gebrauchte Reifen oder weniger günstige Mischungen angewiesen wären.
Verstappen wird dennoch aus dem Verkehr heraus arbeiten müssen. Red Bull entschied nach dem Qualifying, weder den Motor zu wechseln noch weitere Änderungen am Setup seines Autos vorzunehmen. Dadurch blieb sein siebter Startplatz erhalten, statt ihn mit einem Boxengassenstart noch weiter zurückzuwerfen.
Für Red Bull heißt das vor dem Rennstart: Die reine Ausgangsposition spricht nicht für die erste Reihe, die Reifenlage aber könnte dem Team genau den taktischen Hebel geben, mit dem es sich in den Kampf um das Podium und möglicherweise mehr einschaltet.
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