© Jonathan Borba

Red Bull-Ford ist FIA-Referenz bei den 2026-Motoren

Red Bull-Ford ist nach übereinstimmenden Berichten in der ersten ADUO-Einstufung der FIA der Referenzmotor für den 2026er V6-Verbrenner, womit ausgerechnet Mercedes, Ferrari, Audi und Honda zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten erhalten, während Red Bull selbst von Performance-Updates über das System ausgeschlossen bleibt.

Die erste Bewertung soll auf den ersten fünf Saisonrennen in Australien, China, Japan, Miami und Kanada beruhen. Mehrere Berichte schildern, dass die Teams die Einstufung vor oder am Monaco-Wochenende erhalten haben. Entscheidend ist dabei, dass die FIA für ADUO den Verbrennungsmotor bewertet und nicht das komplette Hybridsystem.

Gerade das macht das Ergebnis im Fahrerlager so bemerkenswert. Mercedes galt im Vorfeld vielerorts als wahrscheinlich stärkster Antrieb der neuen Generation, doch die nun berichtete Reihenfolge sieht Red Bull-Ford vorne. Mercedes soll rund 2 Prozent zurückliegen, Ferrari etwa 4 Prozent, Audi im Bereich von 4 bis 6 Prozent und Honda sogar 6 bis 8 Prozent hinter dem Referenzwert.

Lewis Hamilton, Ferrari-Pilot, sagte nach seinem zweiten Platz in Monaco bei Sky Sports F1: „Ich glaube, die Nachricht kam gestern oder heute heraus, dass Red Bull den stärksten Motor hat, Mercedes Zweiter ist und wir dahinter liegen.“ Damit bestätigte Hamilton praktisch, dass Ferrari zu den Herstellern gehört, die von den ADUO-Zugeständnissen profitieren.

Die Folgen sind sportlich und technisch erheblich. Nach der in mehreren Berichten beschriebenen Logik des Systems erhält ein Hersteller ab einem Rückstand von mindestens 2 Prozent eine Upgrade-Möglichkeit für 2026 und eine weitere für 2027. Ab 4 Prozent Rückstand sind es zwei pro Jahr. Hinzu kommen gestaffelte zusätzliche Spielräume unter der Budgetobergrenze, sodass die Einstufung nicht nur die Homologation, sondern auch die verfügbaren Entwicklungsressourcen in den kommenden beiden Jahren beeinflusst.

Hamilton dämpfte allerdings sofort die Erwartung an schnelle Wirkung. „Jetzt haben wir diese Tokens, um zu versuchen, uns weiterzuentwickeln und die Lücke zu schließen, aber das ist ein Projekt von acht bis zehn Monaten, also nichts, was wir schon nächste Woche erledigen können“, sagte er. Die ADUO-Hilfe verändert damit zwar den Entwicklungspfad, nicht aber kurzfristig die Kräfteverhältnisse.

Besonders deutlich wird das bei Honda. Shintaro Orihara, Cheftechniker von Honda Racing, erklärte, sein Unternehmen könne den Verbesserungsplan für den 2026er Antrieb noch nicht abschließend festlegen, weil die FIA die offiziellen Ergebnisse ihrer Bewertung noch nicht veröffentlicht habe. Erst mit dieser formalen Rückmeldung werde klar, welche Bereiche konkret bearbeitet werden dürfen. Honda habe zwar ein Bild der eigenen Leistungsposition, warte aber auf die endgültige Einstufung.

Orihara machte auch klar, dass selbst eine positive ADUO-Entscheidung keinen schnellen Turnaround garantiert. Der Weg zu einer neuen Spezifikation umfasse CFD-Analysen, Prüfstandsläufe mit Einzylinder-Motoren, die Bewertung des kompletten V6 sowie Zuverlässigkeitstests über mehrere Wochen. Honda habe mit frühen Entwicklungsschritten bereits begonnen, doch der Hauptfokus liege auf der Verbrennungsseite, vor allem auf der Verbrennung selbst. Eine Abkürzung gebe es nicht, sagte er sinngemäß, sondern nur viele kleine Verbesserungen.

Für Aston Martin als Honda-Partner verschärft das die Lage zusätzlich, weil das Team seit Saisonbeginn bei Topspeed und Beschleunigung zu kämpfen hat. Selbst mit maximaler ADUO-Unterstützung dürfte die erste Hälfte der Saison deshalb eher von Warten als von einem sofortigen Leistungssprung geprägt sein, während Red Bull-Ford seinen überraschenden Status als Referenzmotor nun gegen eine regulativ begünstigte Verfolgergruppe verteidigen muss.