Racing Bulls hat Gerüchte über einen sicheren künftigen Formel-1-Platz für Nikola Tsolov zurückgewiesen, wobei CEO Peter Bayer betonte, eine Beförderung sei derzeit verfrüht und „im Moment nicht einmal ein Thema“.
Der Kern der Sache ist aus Sicht des Teams klar: Tsolov gilt zwar als großes Talent und hat sich mit seiner Form in der FIA F2 ins Blickfeld gefahren, aber ihm fehlen noch die Voraussetzungen für den nächsten Schritt. Bayer sagte Sky F1: „Das sind nur Gerüchte.“ Man prüfe derzeit einen TPC-Test für den Herbst, weil Tsolov noch eine Lizenz brauche, um an Freitagstrainings teilnehmen zu dürfen, und ihm dafür noch einige Kilometer fehlten.
Damit schob Bayer den Spekulationen gleich aus zwei Gründen einen Riegel vor. Zum einen fehlt Tsolov nach aktuellem Stand noch die nötige Grundlage bei Superlizenz-Punkten und Formel-1-Laufleistung. Seine einzige F1-Erfahrung beschränkt sich bislang auf einen Demonstrationslauf in Sofia mit einem Red Bull RB7. Zum anderen sieht Racing Bulls keinen akuten Anlass, an der aktuellen Besetzung zu rütteln.
„Er macht einen brillanten Job und ist ein riesiges Talent, das wir natürlich auf dem Radar haben“, sagte Bayer. „Aber wir hatten erst sieben Rennen, und Liam und Arvid machen ebenfalls einen brillanten Job. Also ist das im Moment nicht einmal ein Thema.“
Dass Lawsons Cockpit überhaupt diskutiert wird, hängt auch mit Red Bulls Ruf für Fahrerrotationen zusammen. Auf der Strecke hat der Neuseeländer seine Position aber eher gestärkt als geschwächt. Nach neun Rennen liegt Lawson mit 39 Punkten auf Rang zehn der Fahrerwertung, holte in sieben der neun Grands Prix Zähler und verlor laut den vorliegenden Angaben kein einziges Mal gegen Teamkollege Arvid Lindblad.
Lawson selbst zeigte sich von den Spekulationen unbeeindruckt. Auf eine Frage von PlanetF1.com in Silverstone zu Tsolovs Aufstieg sagte der Racing-Bulls-Pilot, für Gedanken an 2027 sei es zu früh. „Ehrlich gesagt habe ich darüber gar nicht wirklich nachgedacht“, sagte Lawson. Die Sommerpause sei zwar eine Phase, in der im Team viele Dinge abgewogen würden, „aber im Moment konzentriere ich mich einfach darauf, das fortzusetzen, was wir getan haben“.
Er verwies dabei auch auf seine jüngste Form und darauf, wie schnell Gerüchte in der Formel 1 an Fahrt aufnehmen können. Er sei lange genug in der Serie, „um zu sehen, wie Dinge aufgebauscht werden“, sagte Lawson, und deshalb sei das „nicht wirklich etwas, worüber ich nachgedacht habe“.
Für Racing Bulls heißt das vorerst: Tsolovs starker Lauf in der Nachwuchsklasse hat seine Chancen für die längerfristige Planung verbessert, aber ein kurzfristiger Sitzwechsel steht öffentlich nicht zur Debatte. Solange ihm noch die nötigen Lizenzvoraussetzungen fehlen und Lawson weiter liefert, bleibt das Thema 2027 Spekulation.
© Jonathan Borba