Pirelli hält für die Formel-1-Regeln ab 2027 am bisherigen Konzept mit fünf Slick-Mischungen fest und hat seinen Liefervertrag zugleich bis Ende 2028 verlängert. Motorsportchef Dario Marrafuschi sagte, es werde „weiterhin fünf Stufen geben“ und Pirelli werde „keine Stufe hinzufügen oder weglassen“.
Damit setzt der Reifenhersteller in der nächsten großen Technikphase der Formel 1 auf Kontinuität statt auf eine zusätzliche, noch weichere Option. Marrafuschi erklärte, Pirelli habe die Frage einer weiteren Mischung geprüft, sie am Ende aber verworfen. Als Beleg nannte er Monaco: Dort seien „die meisten Autos auf dem C4 gestartet“, also auf dem Medium, was aus Pirellis Sicht zeigte, dass selbst auf diesem speziellen Stadtkurs kein sechster Slick nötig ist.
Ein wichtiger Teil dieser Entscheidung liegt auch in den Erfahrungen mit dem bisherigen weichsten Ende der Palette. Marrafuschi verwies darauf, dass der C6 vor der laufenden Saison gestrichen wurde, nachdem er zuvor nur vereinzelt auf wenig reifenfordernden Stadtkursen zum Einsatz gekommen war und „nicht ins Konzept“ gepasst habe. Der Zeitunterschied zum C5 sei zu klein gewesen, um einen echten strategischen Nutzen zu schaffen. „Deshalb glauben wir nicht, dass eine noch weichere Mischung notwendig ist“, sagte er. Würde man in Monaco einen C6 einsetzen, „wäre dieser für den Rest der Saison unbrauchbar“.
Die Entscheidung gegen einen sechsten Slick bedeutet aber nicht, dass 2027 alles unverändert bleibt. Die genaue Zuordnung von C1 bis C5 für das kommende Reglement steht laut Marrafuschi noch nicht fest, Pirelli will die Abstufung jedoch „basierend auf den Performance-Zielen für das nächste Jahr neu abstufen“. Ziel sei „eine klare Performance-Differenzierung zwischen den fünf Stufen in Bezug auf die Rundenzeit bei gleichzeitig proportionalem Verschleiß“.
Aus Sicht der Strategie ist das der entscheidende Punkt. Pirelli will die Abstände so anpassen, dass sich Rennstrategien häufiger überschneiden und Teams sowie Fahrer mehr echte Wahlmöglichkeiten haben. Marrafuschi verwies auf jüngste Wochenenden wie Barcelona und Österreich, wo Zwei- und Drei-Stopp-Strategien „sehr ähnlich“ gewesen seien, während in Silverstone Ein- und Zwei-Stopp klar weiter auseinanderlagen. Für 2027 wolle Pirelli diese Unterschiede „viel näher zusammenbringen“ und so „mehr strategische Vielfalt“ ermöglichen.
Parallel dazu ist auch die mittelfristige Zusammenarbeit mit der Formel 1 gesichert. Marrafuschi bestätigte in Interviews mit Autosport und Motorsport, dass Pirellis Liefervereinbarung „um eine weitere Saison, bis 2028“ verlängert wurde. Für die Zeit danach legte er sich nicht fest: Es sei „far too early to decide how to outline the future beyond 2028“. Für die Teams heißt das vor allem, dass sie in die neue Reglementära mit einem bekannten Reifenpartner gehen, aber mit einer neu abgestuften Fünf-Stufen-Palette, die Strategie wieder stärker in Bewegung bringen soll.
© Jonathan Borba