Nelson Piquet Jr. hat seine Zusammenarbeit mit Flavio Briatore als den größten Fehler seiner Formel-1-Karriere bezeichnet und damit eines der dunkelsten Kapitel der Serie neu aufgerollt. Im Gespräch mit SoyMotor.com sagte der frühere Renault-Pilot, der eigentliche Wendepunkt sei nicht erst der spätere Skandal gewesen, sondern dass Briatore zugleich sein Manager und Mentor war.
„Der größte Fehler für mich war, Flavio als Manager, als Mentor zu haben“, sagte Piquet Jr. Der 40-Jährige fügte hinzu, dass er und seine Familie damals niemanden an ihrer Seite hatten, „dem wir vertrauen konnten“. Rückblickend sei das „unser Fehler gewesen, meiner und der meiner Eltern“, weil jemand gefehlt habe, „der uns berät, der meine Interessen schützt“.
Piquet Jr. zeichnete das Bild eines Fahrers, dessen Karriere in einem größeren Geschäftsmodell unterging. Briatore habe „sechs, sieben oder acht Fahrer“ gehabt, sagte er, und er selbst sei „nur eine Nummer im Spiel“ gewesen. Briatore habe mit dem „Puzzle“ stets das getan, was den größten Profit brachte.
Gerade deshalb wiegt die Aussage so schwer, weil die Verbindung zwischen beiden untrennbar mit dem Singapur-Grand-Prix 2008 verbunden bleibt. Piquet Jr. kam 2008 mit Renault in die Formel 1 und bestritt 28 Grands Prix für das Team, bevor er in der Saison 2009 nach schwächeren Leistungen als Teamkollege Fernando Alonso aussortiert wurde. Nach seiner Entlassung informierte er die FIA über die Umstände seines absichtlichen Unfalls in Marina Bay, der damals Alonsos Strategie begünstigte und später den Crashgate-Skandal auslöste.
Die Folgen waren erheblich. Piquet Jr. erhielt laut den Berichten Immunität, während Briatore von der FIA zunächst gesperrt wurde. Diese Sanktion wurde später von einem französischen Gericht aufgehoben. Für Piquet Jr. blieb die Episode dennoch der prägende Teil einer Formel-1-Laufbahn, die mit nur 28 Starts endete und nie wieder in die Serie zurückführte.
Dass Piquet Jr. Briatores Rolle nun so klar als karriereentscheidenden Fehler beschreibt, ist auch deshalb bemerkenswert, weil Briatore im Fahrerlager wieder Einfluss hat. Der heute 76-Jährige ist bei Alpine in Enstone als Berater zurück und bleibt zudem im Fahrermanagement aktiv. Piquets Kritik trifft damit keine Figur aus der Vergangenheit, sondern einen Akteur, der in der Formel 1 erneut an zentraler Stelle mitmischt.
© Jonathan Borba