Audi hat seinen Widerstand gegen eine Änderung der Formel-1-Motorregeln für 2027 bekräftigt und damit die Chancen auf einen Wechsel zum diskutierten 60/40-Verhältnis zwischen Verbrenner- und Elektroanteil deutlich geschwächt.
Audi-CEO Gernot Döllner machte in Monaco klar, dass der Hersteller an Stabilität festhalten will. „Unsere Perspektive ist ganz klar Stabilität“, sagte Döllner. Als Gründe nannte er den Einstieg als neuer Hersteller und die Kostenkontrolle: Audi müsse „kosteneffizient“ arbeiten und den Budgetdeckel im Blick behalten.
Das ist in der aktuellen Debatte entscheidend, weil eine Änderung der Power-Unit-Regeln die Zustimmung von vier der fünf Hersteller braucht. Da neben Audi auch Ferrari als Gegner oder zumindest als deutlich besorgt gilt, erscheinen die Aussichten auf eine Abkehr vom bisherigen annähernden 50/50-Split derzeit gering.
Der Vorschlag würde die Balance zugunsten des Verbrennungsmotors verschieben. Über einen höheren Kraftstoffdurchfluss würden effektiv 50 kW auf die Verbrennerseite verlagert, während 50 kW auf der elektrischen Seite wegfielen. Damit entstünde das angestrebte 60/40-Verhältnis.
Für Audi ist das mehr als eine Grundsatzfrage. Der Hersteller entwickelt sein Projekt für den geplanten Einstieg 2026 auf Basis der bestehenden Regeln. Döllner verwies darauf, dass es innerhalb des laufenden Projekts noch viele Bereiche gebe, die am aktuellen Antriebsstrang zu optimieren seien, und dass eine Regeländerung diesen Weg nicht unterstütze. Zugleich würde sie Budget aus anderen Bereichen abziehen, in die Audi investieren will.
Döllner unterstrich deshalb, dass Audi den Schritt nicht wolle. Falls die Regeln dennoch geändert würden, müsse man sich anpassen, „aber wir wollen das nicht. Das ist sehr klar.“ Er zeigte sich zugleich überzeugt, dass der FIA-geführte Prozess bald zu einem Ergebnis kommen werde. „Der Prozess läuft und ist in guten Händen“, sagte er. „Wir sind Teil dieses Prozesses zusammen mit den anderen Motorenherstellern, und ich denke, dass für 2027 eine gute Lösung stehen wird.“
Audis Haltung erhöht auch den Druck auf eine Debatte, die über die Herstellerseite hinausreicht. Max Verstappen hat einen Wechsel auf 60/40 öffentlich als „absolutes Minimum“ bezeichnet, damit er in der Formel 1 bleibt. Wenn Audi bei seiner Linie bleibt und damit eine Zustimmung blockiert, trifft das direkt die Aussichten auf genau jene Änderung, die Verstappen als grundlegend beschrieben hat.
© Jonathan Borba