Oscar Piastri hat die aktuelle Energienutzung in der Formel 1 für das Chaos in der ersten Runde von Silverstone verantwortlich gemacht und gesagt, sein Großbritannien-Grand-Prix sei dadurch praktisch sofort zerstört worden. Der McLaren-Pilot erklärte, er sei auf dem Weg zu Kurve 6 eingeklemmt worden, habe sich den Frontflügel beschädigt und wegen der stark unterschiedlichen Leistungsabgabe um ihn herum keine echte Chance gehabt, die Situation zu kontrollieren.
Piastri war als Achter gestartet und kämpfte in der Anfangsphase mit Arvid Lindblad und Liam Lawson. Gegenüber Medien, darunter RacingNews365, sagte er: „Ich wurde auf dem Weg zu Kurve 6 im Grunde eingeklemmt.“ Danach sei der Frontflügel gebrochen, er habe an die Box gemusst und „das war's dann“. Durch den frühen Stopp fiel er ans Ende des Feldes zurück und kam am Ende nur noch auf Rang 11 ins Ziel.
Den Kern des Problems sieht Piastri in den diesjährigen Regeln, die den elektrischen Anteil der Power Unit stärker in den Vordergrund gerückt haben. Teams und Fahrer entscheiden dabei selbst, wann sie diese Energie über die Runde einsetzen. Nach seiner Darstellung entstehen dadurch im direkten Zweikampf große Geschwindigkeitsunterschiede, obwohl die Autos eigentlich im selben Pulk unterwegs sind.
„Die erste Runde auf solchen Strecken ist einfach pures Chaos, fast wie der Start eines Multiklassenrennens“, sagte Piastri gegenüber PlanetF1.com und anderen akkreditierten Medien. Er schilderte, dass er Lindblad überholen wollte und dabei das Gefühl hatte, mehr Leistung zu haben. Dann sei Lawson an ihm vorbeigegangen und habe „scheinbar noch mehr Leistung als ich“ gehabt. Piastris Fazit: „Es ist einfach ein Durcheinander. Du versuchst, deine Geschwindigkeit zum Auto vor dir einzuschätzen und gleichzeitig auf das Auto hinter dir zu achten. Ehrlich gesagt wundert es mich, dass das nicht noch öfter passiert.“
Für Piastri geht das Problem aber über seinen beschädigten Grand Prix hinaus. Vor allem der Sprint habe gezeigt, wie sehr Überholmanöver inzwischen von Timing und Glück abhängen. Er sprach von einem „massiven Glückselement“, weil Fahrer den Boost-Knopf sehr früh betätigen müssten, ohne sicher zu wissen, wie die Autos um sie herum ihre Energie einsetzen.
Zur Veranschaulichung nannte er eine Szene aus dem Sprint: Er habe den Boost genutzt, George Russell auf der Geraden massiv eingeholt, sei dann aber zu nah an der Kurve gewesen und habe bremsen müssen. Die Energie sei damit wirkungslos verpufft. Gleichzeitig habe er den Knopf nur gedrückt, um Charles Leclerc hinter sich zu halten, der seinerseits gar nicht deployt habe. Deshalb sei es am Ende „im Grunde wie Münzwurf“, sagte Piastri. Manche Überholmanöver seien weiterhin wirklich gut, andere aber eben nicht, weil der Ausgang zu stark davon abhänge, wer wann noch Batterie habe.
Piastri erwartet, dass sich das Problem auf besonders leistungsabhängigen Strecken noch verschärfen könnte. Er sagte, die Formel 1 habe „noch gar nichts gesehen“ und warnte mit Blick auf die kommenden Rennen: „Spa und Monza werden traurig sein.“ Auf Kursen mit mehreren langen Geraden und Passagen, in denen nicht dauerhaft Vollgas gefahren wird, werde der Unterschied zwischen Energie sparen und Energie einsetzen aus seiner Sicht „riesig“.
© Jonathan Borba