Jolyon Palmer glaubt nicht, dass Ferrari-Teamchef Fred Vasseur einen Titelkampf zwischen Lewis Hamilton und Charles Leclerc kontrollieren könnte, falls beide im SF-26 auf gleichem Niveau um die Weltmeisterschaft fahren.
Im F1-Nation-Podcast begründete der frühere Formel-1-Fahrer das nicht nur mit der möglichen Wettbewerbsfähigkeit des Autos, sondern vor allem mit den beiden Fahrern selbst. „Da ist auch ein bisschen Ego dabei, und Ego gibt es bei jedem“, sagte Palmer. Wer um den Titel kämpfe, könne keinen zweiten Platz akzeptieren, sondern müsse denken: „Ich bin der Beste, das ist mein Titel.“ Mit Hamilton habe Ferrari „einen, der sieben Titel gewonnen hat“, mit Leclerc „ein Generationentalent, das noch keinen gewonnen hat“.
Palmer zog daraus eine klare Schlussfolgerung: „Ich glaube nicht, dass Fred das managen könnte, wenn sie auf gleichem Pace-Level sind und das beste Auto haben.“ Am Ende sei so eine Lage für einen Teamchef kaum zu verhindern, wenn die entsprechenden Charaktere im Team seien.
Ganz theoretisch ist das Szenario nicht. Hamilton und Leclerc haben sich in dieser Saison bereits zweimal berührt. Beim Grand Prix von China sagte Hamilton nach einem früheren Kontakt: „Ich glaube, es gab einen Moment, in dem wir uns berührt haben, aber das war nur leicht, nur ein kleiner Kuss. Also alles okay.“ Hamilton gewann dieses Duell und holte damit sein erstes Grand-Prix-Podium seit seinem Wechsel zu Ferrari in der vergangenen Saison.
In Japan kam es erneut zu einer Berührung, als Leclerc Hamilton im Kampf um Platz drei attackierte. Hamilton setzte noch einmal nach, und Leclerc sagte anschließend: „Wir waren sehr nah beieinander. Dann hat er mich wieder angegriffen und wir haben uns berührt. Ich hatte Angst, dass ich einen Plattfuß bekommen haben könnte.“ Diesmal entschied Leclerc das direkte Duell für sich.
Vasseur hat seine Fahrer bisher dennoch frei gegeneinander fahren lassen. Fred Vasseur, Ferrari-Teamchef, sagte über die Situation: „Riesiger Respekt für beide.“ Sie seien professionell, und „ich glaube, es ist in dieser Situation sinnvoll, sie fahren zu lassen“. Vasseur räumte aber auch ein, dass so etwas „eine halbe Stunde später völlig dumm aussehen“ könne. Trotzdem sei es „am Ende des Tages auch der beste Weg, ein Team aufzubauen“.
Genau an diesem Punkt setzt Palmers Zweifel an. Er meint, dass einem Team im Ernstfall nur wenige echte Sanktionsmöglichkeiten bleiben würden. Als Beispiel verwies er auf den Mercedes-internen Konflikt zwischen Hamilton und Nico Rosberg 2016. Toto Wolffs Drohung, man müsse die Fahrer „vielleicht für ein Rennen auf die Bank setzen“, bezeichnete Palmer im Grunde als nicht durchsetzbar.
Nach einem Vorfall wie in Barcelona könne ein Team nicht einfach zwei Ersatzfahrer einsetzen, argumentierte Palmer. Nur einen der Stammfahrer herauszunehmen sei ebenso unrealistisch: „Du kannst nicht einen Ersatzfahrer einsetzen. Wie unfair wäre das?“ Solche Drohungen seien „Wunschdenken“, wenn man tatsächlich in dieser Position sei. Dazu kämen Verträge und die Realität eines laufenden Titelkampfs, was Ferraris Spielraum im Fall einer Eskalation stark einschränken würde.
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