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Norris warnt Russell vor falschem Titelrezept

Lando Norris glaubt nicht, dass George Russell seinen 50-Punkte-Rückstand im Titelkampf einfach mit derselben "Ohne-Druck"-Mentalität aufholen kann, die Norris selbst zu seinem WM-Comeback geführt hat. Der McLaren-Pilot sieht bei Russell ein anderes Problem: nicht fehlende Freiheit, sondern schwindendes Selbstvertrauen, während Kimi Antonelli ihn teamintern unter Druck setzt.

Nach sieben Rennwochenenden führt Antonelli die Formel-1-WM 2026 mit 156 Punkten an. Der Mercedes-Pilot gewann fünf Grands Prix in Serie von China bis Monaco und hat sich damit klar vor seinem Teamkollegen abgesetzt. Russell ist inzwischen auf Rang drei zurückgefallen, 50 Punkte hinter Antonelli und neun hinter Lewis Hamilton.

Norris sagte, sein eigener Weg im vergangenen Jahr lasse sich deshalb nicht direkt übertragen. Nachdem ihn ein Ausfall beim Großen Preis der Niederlande 32 Punkte hinter seinen australischen Teamkollegen Oscar Piastri zurückgeworfen hatte, nahm er sich den Druck bewusst. "Du weißt, der Druck ist weg, geh raus, genieße jedes einzelne Rennen, versuche jedes einzelne Rennen zu gewinnen, und ich habe nichts zu verlieren", beschrieb Norris den damaligen Ansatz. Er drehte die Lage später noch und gewann den Titel mit zwei Punkten Vorsprung auf Max Verstappen.

Für Russell sei die Ausgangslage aber fast umgekehrt. Norris erklärte gegenüber PlanetF1.com und weiteren Medien: "Es hat definitiv einen Unterschied gemacht. Jeder denkt anders, deshalb weiß ich nicht, wie sehr... Ich habe mir selbst immer viel Druck gemacht. Ich weiß nicht, ob George sich selbst Druck macht oder ihn nicht spürt." Russell sei "immer ein ziemlich selbstbewusster Typ" gewesen. Genau darin liege nun der Unterschied. "Im vergangenen Jahr bin ich von wenig Selbstvertrauen zu dem Punkt gekommen: 'Was habe ich jetzt noch zu verlieren?' Er ist von einem ziemlich selbstbewussten Gefühl dahin gekommen, vielleicht etwas von diesem Selbstvertrauen zu verlieren. Vielleicht kommt er jetzt an diesen Punkt, aber jeder Fahrer muss seinen eigenen Weg finden. Es gibt nicht die eine Lösung für alle."

Norris sieht den zusätzlichen Druck vor allem auf der anderen Seite der Mercedes-Garage. Antonelli liefere "einen ziemlich unglaublichen Job. Wahrscheinlich besser, als die meisten hier erwartet hätten", sagte er. Russell müsse nicht nur mit der Außensicht auf einen Titelkandidaten umgehen, sondern auch mit einem Teamkollegen, der ihn "unglaublich gut herausfordert" und dabei "keine Fehler macht".

Gerade das mache die Situation mental schwer greifbar. "Es ist schwer zu wissen, was man in so einer Situation genau tun muss", sagte Norris. "Machst du dir noch mehr Druck? Versuchst du, gar nichts davon zu spüren?" Dazu komme laut Norris die ständige Aufgabe, unabhängig vom Umfeld das Maximum aus sich selbst herauszuholen.

Konkrete Ratschläge für den Titelkampf hat Norris Russell nach eigener Aussage nicht gegeben. Zwar spreche er mit ihm regelmäßig über verschiedene Dinge, aber "vielleicht nicht so sehr über den Druck, den Titel oder den Titelkandidaten-Status oder die Fragen, die man ständig bekommt". Für Russell bedeutet das, dass er seine Antwort auf Antonellis Formhoch selbst finden muss, wenn er im Mercedes-internen Duell und in der WM nicht weiter an Boden verlieren will.