Audi fährt in der Formel-1-Saison 2026 regelmäßig am oberen Ende des Mittelfelds, hat nach einem überraschend starken Debüt in Australien aber nur zwei Punkte vorzuweisen, weil ein klarer Rückstand bei der Power Unit und mehrere verpasste Chancen die Pace bislang nicht in Resultate verwandeln.
Der Auftakt in Melbourne hatte mehr versprochen, als selbst intern erwartet worden war. Gabriel Bortoleto schaffte es dort in Q3 und wurde Neunter. Seitdem kam kein weiterer Punkt hinzu, obwohl entweder Bortoleto oder Nico Hülkenberg in fünf der nächsten sechs Rennen auf Platz elf ins Ziel kam. Im übrigen Rennen war ein Audi auf Rang zwölf das beste Resultat.
Dass die Ausbeute so mager ausfällt, liegt aus Sicht des Teams nicht nur am üblichen Chaos in engen Mittelfeldduellen. Gerade die beiden jüngsten Wochenenden haben gezeigt, wie knapp Audi an weiteren Zählern vorbeischrammt. In Monaco wurde Hülkenberg im Qualifying durch Aerodynamikschäden beeinträchtigt, fuhr sich im Rennen aber noch auf Platz neun auf der Strecke nach vorn, bevor ihn eine Strafe nach einer Kollision mit Carlos Sainz auf Rang 13 zurückwarf. In Barcelona qualifizierte er sich als Neunter und jagte Liam Lawson, als ein von dessen Auto hochgeschleuderter Stein den Not-Aus-Schalter traf und Hülkenbergs Rennen beendete. Hülkenberg sprach von einem „Eins-zu-einer-Million“-Zwischenfall. Lawson holte später als Achter die Punkte.
Gleichzeitig benennt Audi die größte Schwäche des Projekts ungewöhnlich offen. Bortoleto sagte gegenüber PlanetF1.com und weiteren Medien, das Chassis sei bereits eine klare Stärke, der Motor aber der begrenzende Faktor. „Es ist klar, dass wir ein sehr starkes Chassis haben“, sagte der Brasilianer. „Es ist auch durch die ADUO klar, dass wir beim Motor ein Defizit haben, wir verlieren pro Runde ziemlich viel. Ich glaube, Mattia hat in der Vergangenheit bereits von mehr als einer Sekunde gesprochen, abhängig von der Strecke. Das ist keine Übertreibung, das ist die Wahrheit über unsere Position, und das ist normal, weil es die erste Saison unseres Motors ist.“
Damit deckt sich Bortoletos Einschätzung mit der internen Linie. Mattia Binotto hatte bereits eingeräumt, dass der Rückstand bis zu eine Sekunde betragen könne. Die Berichterstattung nennt Audi zudem als Kandidaten für mindestens zwei ADUO-Aufwertungen, was darauf hindeutet, dass die Power Unit mehr als vier Prozent unter dem Referenzwert von Red Bull Powertrains liegt.
Trotz dieses Nachteils sieht Audi genügend Leistung im Gesamtpaket, um regelmäßig in Reichweite der Top 10 zu fahren. Hülkenberg beschrieb das Auto als konkurrenzfähig im Mittelfeld, auch wenn der Abstand zur Spitze weiter deutlich sei und auf Chassis- und Aero-Seite noch Arbeit anstehe.
Allan McNish, Audis Racing Director, machte nach dem Spanien-Wochenende deutlich, dass die Ergebnisse derzeit hinter dem Potenzial zurückbleiben. „Heute bin ich natürlich ein bisschen frustriert“, sagte McNish am Sonntag in Barcelona. Er verwies auch auf Monaco, wo aus seiner Sicht weitere Punkte durch eine aus Team-Sicht harte Strafe verloren gingen. „Alles in allem haben wir ein Leistungsniveau, das an die Tür von Q3 klopft. Und mit der Zeit werden diese positiven Qualifying-Leistungen und das Potenzial zu Resultaten werden.“
McNish räumte zugleich ein, dass die Aufholjagd beim Antrieb Zeit brauchen wird. Audi habe gewusst, dass die erste Saison einer von Grund auf neu entwickelten Power Unit schwierig werde. Da die Hardware homologiert sei, seien die Eingriffsmöglichkeiten begrenzt, doch bei der Optimierung und der Konstanz habe das Team bereits Fortschritte gemacht.
In der Konstrukteurswertung steht Audi damit trotz sichtbar konkurrenzfähiger Auftritte nur auf Rang neun. Vorstandschef Gernot Döllner hält den eingeschlagenen Kurs trotzdem für bestätigt. Er sagte am Monaco-Wochenende gegenüber ausgewählten Medien, darunter PlanetF1.com, Audi sei „absolut auf diesem Weg“, erst Herausforderer zu werden und dann das Meisterschaftsziel für 2030 anzugreifen. Die Mannschaft liege „ungefähr dort, wo wir jetzt sein wollten“, auch wenn man in den vergangenen Rennen gerne mehr Punkte mitgenommen hätte. Genau darin liegt für Audi nun die nächste Aufgabe: das Chassis-Niveau des Mittelfelds endlich in Resultate zu übersetzen, obwohl der Motor das Projekt noch klar bremst.
© Spencer