Lando Norris hat McLaren beim Großen Preis von Ungarn den ersten Saisonsieg 2026 beschert und dabei ein Rennen gewonnen, das nach Runde eins und einem heiklen Strategie-Moment gegen Oscar Piastri noch in eine ganz andere Richtung zu kippen schien. Der Pole-Setter setzte sich am Hungaroring am Ende mit 15,080 Sekunden vor Max Verstappen durch, Kimi Antonelli wurde Dritter.
Norris hatte die Kontrolle zunächst schon am Start aus der Hand gegeben. Zwar blieb er beim Erlöschen der Lichter vorn, doch nach einem Fehler in Kurve 2 übernahm Piastri die Führung. Norris erklärte hinterher, er habe das Heck "drei- oder viermal" verloren und sofort gedacht, "dass es vorbei ist". Er sei wohl etwas zu weit auf die schmutzige Streckenseite geraten, worauf Piastri den Konter sauber abgeschlossen habe.
Trotzdem blieb Norris direkt an seinem Teamkollegen dran und machte früh klar, dass er das schnellere Auto im Renntrim hatte. "Heute war meine Pace wahrscheinlich eine der besten, die ich je hatte. Das Auto war wunderschön zu fahren und ich hatte Vertrauen", sagte Lando Norris, McLaren-Pilot, nach dem Rennen. Entscheidend sei gewesen, dass er seine Stints länger ziehen konnte als erwartet. "Das ist es, was uns den Sieg gebracht hat."
Der kritische Punkt kam im zweiten Stint. Norris wollte beim zweiten Boxenstopp zuerst hereingeholt werden, um den Undercut gegen Piastri zu versuchen, doch McLaren lehnte ab. Stattdessen holte das Team zunächst Piastri an die Box und ließ Norris noch sechs weitere Runden draußen. Die Begründung lautete, man müsse Lewis Hamilton abdecken, der kurz zuvor selbst seinen zweiten Stopp absolviert hatte.
Damit drohte der interne Konflikt zu eskalieren, bis sich das Rennen durch Verkehr entschied. Piastri verlor beim Überrunden von Williams-Fahrer Carlos Sainz zwischen Kurve 2 und 3 entscheidende Zeit, als es zum Kontakt kam. Sainz erhielt dafür eine Fünf-Sekunden-Strafe. Als Norris danach seinen zweiten Stopp absolvierte, kam er knapp vor Piastri wieder auf die Strecke zurück und hatte damit die Nettoführung übernommen.
Von diesem Moment an war Norris nicht mehr zu halten. Seine Pace auf den frischen Reifen rechtfertigte McLarens umstrittene Entscheidung sofort, und er zog sich an der Spitze komfortabel ab. Für McLaren blieb der Durchbruch dennoch bitter, weil ein Doppelsieg möglich schien: Piastri, der den ersten Teil des Rennens kontrolliert hatte, schied wenig später mit einem Getriebeschaden aus. Er stellte den Wagen nach Kurve 3 ab, was eine späte virtuelle Safety-Car-Phase auslöste.
Hinter Norris wurde es dadurch noch einmal eng. Red Bull reagierte mit einem strategischen Risiko und gab Verstappen bei seinem zweiten Stopp weiche Reifen, obwohl der Niederländer über weite Strecken mit dem Auto unzufrieden gewesen sein soll. Das zahlte sich aus. Unter der späten VSC kamen die Ferrari zwar an die Box, fielen danach aber hinter Verstappen zurück.
Antonelli blieb zunächst draußen, wurde nach dem Restart kurz von Hamilton überholt, bekam die Position aber zurück, weil Hamilton die entscheidende Linie bereits vor der Freigabe passiert hatte. Danach jagten Antonelli und Hamilton gemeinsam Verstappen, wurden beim Überrunden von Gabriel Bortoleto aber aufgehalten. Verstappen brachte Rang zwei schließlich mit 3,6 Sekunden Vorsprung auf Antonelli ins Ziel.
Für Antonelli war Platz drei im Titelkampf trotzdem ein starkes Ergebnis. Der Mercedes-Pilot baute seine Führung in der Fahrerwertung auf 50 Punkte vor Hamilton und 59 vor George Russell aus. Hamilton fiel nach einer Fünf-Sekunden-Strafe wegen zu schnellen Fahrens in der Boxengasse hinter Charles Leclerc auf Rang fünf zurück.
© Jonathan Borba