© Jonathan Borba

Norris-Interview: Management blockt Regelfragen

Lando Norris’ jüngstes Interview mit The Guardian wurde selbst zur Geschichte: Nach Angaben des Guardian-Reporters Donald McRae blockte das Management des McLaren-Fahrers Fragen zu den Formel-1-Regeln für 2026 sowie zu Max Verstappen und George Russell, obwohl Norris mehrfach erkennen ließ, dass er antworten wollte.

McRae schrieb, er sei wenige Stunden vor dem Gespräch darüber informiert worden, dass Norris’ „Freundschaft und Rivalität“ mit Russell und Verstappen sowie die neuen Regeln nicht thematisiert werden sollten. Als das Interview später auf die Regelfrage zusteuerte, soll mit „noch 10 Minuten“ auf der Uhr die Stimme eines Managers aus einem auf dem Tisch liegenden Telefon dazwischengegangen sein und klargestellt haben, dass es zu diesem Thema keine Fragen geben dürfe. Ein Vertreter im Raum habe dann hinzugefügt: „Uns läuft die Zeit davon.“

Norris soll sich dem nicht vollständig gefügt haben. Laut McRae sagte der 26-Jährige zunächst, er sei „nicht der Boss“, erklärte aber zugleich, er sei offen dafür, die Frage zu beantworten. Als McRae danach fragte, ob Mercedes in dieser Saison noch eingeholt werden könne, unterbrach der Vertreter erneut und sagte: „Nein, darauf antworten wir nicht.“ Norris habe darauf mit „Warum?“ reagiert und seinen Vertreter aufgefordert: „Sag ja.“ Danach antwortete er selbst: „Ja, sie können eingeholt werden, und wir tun unser Bestes, damit McLaren das Team ist, das das schafft.“

Ähnlich lief es laut dem Bericht bei einer Frage zu Verstappens Zukunft. McRae schrieb, dass Norris’ Management bei der Frage, ob Verstappen die Formel 1 verlassen könnte, gelacht habe. Norris antwortete trotzdem: „Ich habe keine Ahnung, Max kann machen, was er will.“ Danach soll ein Vertreter, offenbar in seinem Namen, gesagt haben: „Er ist ein großartiger Typ. Max ist der beste Mensch überhaupt, und wir lieben ihn. Zitat.“

Die versuchte Abschirmung fällt besonders auf, weil Norris die 2026er Regeln bereits öffentlich kritisiert hat. Bei einem jüngsten Pirelli-Reifentest sagte er laut McLaren: „Es ist nicht das Auto, mit dem ich Probleme habe, sondern der Teil hinter uns, den ich nicht so genieße, die Power-Unit-Regeln.“ Nach einer Szene in Japan erklärte er auch, dass ihm bei einer Batterie-Auslösung die Kontrolle genommen worden sei: „Für mich nimmt das dem Fahrer zu viel Kontrolle weg.“

Norris hatte schon zuvor vor möglichen Folgen der neuen Regeln gewarnt. Er sprach von Annäherungsgeschwindigkeiten von „30, 40, 50 km/h“ und sagte, ein Einschlag bei diesem Tempo könne dazu führen, dass ein Fahrer „abhebt, über den Zaun fliegt und sich selbst und vielleicht auch andere schwer verletzt“.

Diese Debatte hatte nach dem Japan-Rennen zusätzliche Schärfe bekommen. Einem der Berichte zufolge musste Oliver Bearman bei 308 km/h aufs Gras ausweichen, um Franco Colapinto zu vermeiden, als sich die Geschwindigkeitsdifferenz auf fast 50 km/h belief. Bearman vermied zwar den Kontakt, drehte sich dann aber bei hohem Tempo in die Barriere. Vor diesem Hintergrund stand laut dem Bericht am selben Tag eine Abstimmung des FIA World Motor Sport Council über mögliche Regeländerungen an.

Gerade deshalb ist der Vorgang um das Norris-Interview im sportlichen Kontext brisant: Es ging nicht um Randthemen, sondern um eine aktuelle Sicherheits- und Wettbewerbsdebatte, zu der Norris bereits öffentlich Position bezogen hat und zu der er offenkundig auch in diesem Gespräch sprechen wollte.