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Montoya verteidigt 2026 und zerlegt V8-Nostalgie

Juan Pablo Montoya hat die Forderungen nach einer Rückkehr der V8-Motoren scharf relativiert und stattdessen die umstrittenen Formel-1-Regeln für 2026 verteidigt. Ausgerechnet ein Fahrer aus jener Zeit stellt die nostalgische Verklärung seiner eigenen Ära infrage und sagt, die Rennen damals seien oft „sehr langweilig“ gewesen, während die Formel 1 heute deutlich unterhaltsamer sei.

Im BBC-Chequered-Flag-Podcast nach dem Miami-Wochenende sagte Montoya, viele Fans würden seine Zeit im Rückblick überschätzen. „Die Leute sagen: ,Oh, deine Zeit war so gut.‘ Ich sage ihnen: ,Schau dir ein Rennen an, es ist so langweilig.‘“ Selbst aus Fahrersicht habe sich das nicht anders angefühlt. „Manchmal war es wie eine kurze Testsession“, sagte er. Das wiegt umso schwerer, weil Montoya 2006 noch eine halbe Saison mit V8-Motoren fuhr.

Seine Gegenposition ist klar: Trotz aller Kritik an den 2026er Autos mit der 50:50-Aufteilung zwischen Verbrennungs- und Elektro-Leistung hält er die neue Richtung für sinnvoller als frühere Lösungen. Montoya sagte, ihm gefalle die neue Dynamik ausdrücklich. Wenn ein Fahrer sehe, dass ihn der Gegner angreifen werde, könne er früher in den Recharge-Modus gehen, auf der nächsten Geraden mehr Energie haben und sich wehren. „Ich denke, das ist wirklich gut“, sagte er.

Damit grenzt er sich vor allem vom DRS ab, das Ende 2025 verschwindet. Montoya sagte, er sei nie damit einverstanden gewesen, dass ein Fahrer das System bei weniger als einer Sekunde Rückstand nutzen durfte, weil Überholmanöver dadurch „zu künstlich“ geworden seien und nicht mehr zur reineren Idee der Formel 1 gepasst hätten. Im Podcast nannte er DRS „so ein BS“ und beschrieb den verteidigenden Fahrer als „sitting duck“. Bei einem Abstand von einer Sekunde oder neun Zehnteln sei am Ende der Geraden klar gewesen, dass der Hintermann vorbeigehen würde. Wenn das dann als starkes Überholmanöver gefeiert wurde, habe er nur gedacht: „Was meinst du mit ,was für ein Überholmanöver‘? Er hat gar nichts gemacht. Er saß einfach nur da.“

Auch gegenüber RacingNews365 stellte Montoya die Gegenwart über die Nostalgie. „Racing nowadays is entertaining“, sagte er, und bezeichnete die aktuelle Lage als „wirklich besondere Ära“, weil vier Teams Rennen gewinnen könnten. Genau das macht für ihn den Unterschied zu früheren Jahren aus, die aus heutiger Sicht oft verklärt würden. Er sagte auch, dass man sich früher ebenfalls beklagt habe, obwohl die Autos 950 PS hatten, 600 Kilo wogen und mit Grip-Reifen unterwegs waren. Für Montoya ist das kein Beleg für besseres Racing, sondern eher dafür, dass starke Eckdaten allein keine guten Rennen garantieren.

Damit greift er in eine Debatte ein, die weit über persönliche Vorlieben hinausgeht. Die neuen Regeln standen zuletzt stark unter Beschuss, weil die starke elektrische Komponente und das von manchen als „Yo-Yo-Racing“ beschriebene Energie-Management als problematisch gelten. FIA und Formel 1 haben deshalb nach Gesprächen mit Herstellern und Fahrern bereits Anpassungen auf den Weg gebracht, um Qualifying und Rennen zu verbessern und Sicherheitsfragen anzugehen. Für 2027 sind weitergehende Änderungen vorgesehen, darunter laut den vorliegenden Angaben auch 67 zusätzliche PS aus dem Verbrennungsmotor.

Parallel dazu treibt FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem die Diskussion in die entgegengesetzte Richtung. Er hat angekündigt, dass V8-Motoren spätestens 2031 zurückkehren sollen, idealerweise schon 2030. Gerade deshalb ist Montoyas Wortmeldung bemerkenswert: Einer der Fahrer aus der V8-Zeit selbst argumentiert gegen die romantische Rückschau und für eine Gegenwart, die er trotz aller Unschärfen als fairer, abwechslungsreicher und sportlich interessanter einstuft.