Der Grand Prix von Monaco 2026 wird als erstes Rennen der Saison komplett ohne Straight Mode ausgetragen: Auf der offiziellen Streckenkarte ist keine einzige Aktivierungszone für das neue System verzeichnet, nicht einmal auf der Start-Ziel-Geraden.
Damit fällt Monte Carlo sofort aus dem Muster der bisherigen Saison. Auf allen anderen Strecken war Straight Mode bislang vorgesehen, oft sogar in mehreren Abschnitten. Als besonders deutliches Gegenbeispiel gilt der Circuit Gilles Villeneuve, der in der Vorwoche gleich vier Zonen hatte. Dass Monaco nun vollständig darauf verzichtet, macht den Schritt der Formel 1 umso auffälliger.
Straight Mode gehört 2026 zu den neuen aktiven Aerodynamik-Systemen der Autos. Dabei öffnen sich nicht nur Elemente am Heckflügel, sondern auch am Frontflügel, um den Luftwiderstand zu senken. Das System geht damit deutlich weiter als frühere Lösungen und bringt die Autos in einen Zustand, in dem zeitweise fast der gesamte Abtrieb verschwindet.
Gerade deshalb wirft die Entscheidung für Monaco Fragen auf. Einen bestätigten Grund nennt die veröffentlichte Streckenkarte nicht. Aus den verfügbaren Informationen geht nur hervor, dass die Autos mit geöffneten Flügeln recht instabil werden können. Dazu kommt, dass selbst die Passage auf Start und Ziel in Monte Carlo keine wirklich gerade Gerade ist. Beides zusammen legt zumindest nahe, warum die FIA auf dem engsten und unruhigsten Kurs im Kalender besonders vorsichtig vorgeht, auch wenn eine offizielle Begründung bislang fehlt.
Der Verzicht betrifft das komplette Rennwochenende. Die Flügel bleiben also überall geschlossen, auch dort, wo Monaco in früheren Jahren zumindest noch eine DRS-Zone hatte. Damals lag die Nutzung auf der Start-Ziel-Geraden, während der Tunnel aus Sicherheitsgründen nie freigegeben wurde. 2026 geht die Serie nun noch einen Schritt weiter und streicht die Straight-Mode-Hilfe auf dem Stadtkurs vollständig.
Ganz ohne Überholunterstützung bleibt das Wochenende trotzdem nicht. Laut offizieller Event-Map ist der Messpunkt für den Overtake Mode vor der Rascasse eingezeichnet. Aktiviert wird das Zusatzsystem am Kurvenausgang der Rascasse, die Wirkungsphase läuft dann bis kurz vor die letzte Kurve, Anthony Noghes.
Für Monaco bedeutet das eine klare Sonderrolle im neuen Reglement. Während die 2026er Autos auf den übrigen Strecken ihre aktive Aerodynamik zumindest in bestimmten Zonen voll ausspielen dürfen, wird das Feld in Monte Carlo ausgerechnet bei der auffälligsten neuen Überholhilfe eingebremst. Das macht den Stadtkurs nicht nur zum ersten Straight-Mode-freien Wochenende des Jahres, sondern auch zu einem frühen Grenzfall dafür, wie weit die Formel 1 ihre neuen Aero-Systeme auf besonderen Strecken tatsächlich einsetzen will.
© Jonathan Borba