Mercedes hat die Spekulationen über eine Bevorzugung von George Russell oder Kimi Antonelli nach dem internen Duell in Barcelona klar zurückgewiesen und betont, dass ein solcher Kurs erst infrage käme, wenn einer der beiden Fahrer rechnerisch keine Titelchance mehr hat.
Ausgelöst wurde die Debatte durch den Grand Prix von Barcelona-Catalunya, wo Russell und Antonelli sich über mehrere Rennphasen bekämpften und Mercedes damit laut Toto Wolff fünf bis sechs Sekunden verlor. Von diesem Zeitverlust profitierte Lewis Hamilton im Ferrari auf dem Weg zum Sieg, was die Frage aufwarf, ob Mercedes seine beiden Fahrer enger führen oder sogar einen von beiden bevorzugen müsste.
James Allison, Technikdirektor von Mercedes, wies diese Lesart in der „Nu Silver Arrows Radio Show“ entschieden zurück. Fans seien naturgemäß stark auf den Fahrer fokussiert, den sie unterstützen, sagte er. „Die Menschen sind enorm auf die Personen fixiert, die sie unterstützen, und sie wollen, dass ihr Fahrer mehr Erfolg hat als alle anderen.“ Innerhalb eines Formel-1-Teams sei diese Denkweise aber „völlig fremd“. Wenn Mercedes solche Vorwürfe höre, klinge das „wie eine fremde Sprache“.
Allison machte deutlich, dass Mercedes intern keinen bevorzugten Fahrer habe. Dem Team sei es nach seinen Worten gleichgültig, welcher der beiden Mercedes-Piloten vor dem anderen liegt. „Wir wollen in jedem Rennen einen Doppelsieg, und uns ist die Reihenfolge egal“, sagte er. Entscheidend sei nur, „zu jeder Zeit die maximale Punktzahl von beiden Fahrern“ zu holen.
Den Grund dafür verortet Mercedes nicht in persönlicher Neutralität allein, sondern in der Logik der Formel 1. Laut Allison ist für das Team nicht die Fahrer-WM das wichtigste Ziel, sondern die Konstrukteurswertung. Dort entschieden sich der sportliche Erfolg des Teams und auch die finanzielle Seite, etwa bei Boni. Deshalb ergebe Fahrerbevorzugung aus Mercedes-Sicht „überhaupt keinen Sinn“.
Eine Ausnahme schloss Allison dennoch nicht aus. Erst wenn ein Fahrer rechnerisch keine Chance mehr auf den Titel habe und der andere gegen einen Rivalen aus einem anderen Team kämpfe, habe „das Team das Recht, eine Meinung zu haben“. Genau dieser Punkt sei aber derzeit nicht erreicht. Antonelli führt die Fahrerwertung an, und Russell ist weiterhin im Titelkampf.
Damit bleibt Mercedes trotz des kostspieligen Zweikampfs in Barcelona bei seiner Linie: Solange beide Fahrer realistisch im Rennen um die Meisterschaft sind, steht nicht die interne Rangordnung im Mittelpunkt, sondern die maximale Punkteausbeute für die Konstrukteurs-WM.
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