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McLaren verzockt sich in Kanada und bleibt punktlos

McLaren ging beim Kanada-GP 2026 leer aus, weil ein Start auf Intermediates auf schnell abtrocknender Strecke sofort nach hinten losging und der missglückte Reifenpoker durch Lando Norris’ Ausfall sowie Oscar Piastris Strafe endgültig besiegelt wurde.

Die Entscheidung fiel kurz vor dem Start in Montreal unter Bedingungen, die nur für Minuten in McLarens Richtung zu kippen schienen. Oscar Piastri sagte nach dem Rennen bei Sky F1, zwischen Nationalhymne und Einsteigen sei der Asphalt „ziemlich nass“ gewesen, auch wenn es keine stehenden Pfützen gegeben habe. Man habe klar trockene und nasse Stellen erkennen können, und „mit Slicks in die Startaufstellung zu fahren war nicht einfach“. Genau deshalb schickte McLaren beide Autos auf Intermediates los.

Doch der Plan hielt kaum an. Piastri musste schon am Ende der ersten Runde auf Slicks wechseln, Norris eine Runde später. Piastri fasste den Fehlschlag mit einem Satz zusammen, der den Nachmittag des Teams traf: „Wenn es ein bisschen mehr geregnet hätte, hätten wir wie Helden ausgesehen. Aber weil es nicht geregnet hat, sahen wir wie Idioten aus.“

Dabei schien die Wette an den ersten Metern sogar noch aufzugehen. Norris schoss von Platz drei in der ersten Kurve an die Spitze und lag nach eigener Aussage nach einer Runde etwa zwei Sekunden vorn. Trotzdem war ihm früh klar, dass das Fenster bereits zuging. Er sagte später, er habe „wahrscheinlich schon in der Einführungsrunde“ gemerkt, dass es rückblickend „die falsche Entscheidung“ gewesen sei.

Dass McLarens Rechnung so schnell kollabierte, lag nicht nur am Wetterumschwung. Teamchef Andrea Stella erklärte, das Team habe sich „fünf Minuten vor dem Start“ wegen der schmierigen Strecke und des noch anhaltenden Regens für Intermediates entschieden. Dann stoppte der Niederschlag, die Strecke trocknete rasch ab, und zwei zusätzliche Formationsrunden nach dem Problem von Arvid Lindblad auf der Startaufstellung nahmen dem Risiko jede verbleibende Chance auf einen Vorteil.

Norris übernahm nach dem Rennen seinen Teil der Verantwortung. Es sei „eine Teamentscheidung“ gewesen, sagte er, „ich habe auch darauf gedrängt, also übernehme ich dafür gewissermaßen die Verantwortung“. Gleichzeitig verteidigte er den Ansatz. Es habe valide Gründe für den Versuch gegeben, und mit „1 % mehr Regen“ hätte die Sache deutlich anders aussehen können. Auch sein starker Start habe gezeigt, dass die Intermediates anfangs nicht grundlos gewählt worden waren.

Aus dem strategischen Rückschlag wurde im weiteren Rennverlauf dann ein doppelter sportlicher Schaden. Norris kämpfte sich nach dem frühen Reifenwechsel wieder in die Punkteränge zurück, schied aber um Runde 40 mit einem terminalen mechanischen Defekt aus. Er berichtete von Metalltrümmern an Stellen, an denen sie nicht hätten sein dürfen, und sprach von einem plötzlichen „großen Knall“.

Piastri brachte das Rennen zwar ins Ziel, verlor aber auch seine letzte Aussicht auf Punkte durch einen selbst verschuldeten Kontakt mit Alex Albon. Dafür erhielt er eine Zehn-Sekunden-Strafe und wurde nur als Elfter gewertet. Piastri räumte den Fehler klar ein: Vor ihm habe es Verwirrung bei einem Überholmanöver gegeben, er habe die Chance nutzen wollen, aber zu spät gebremst und Albon nicht mehr ausweichen können. „Das war ganz klar nicht mein bester Moment“, sagte er und entschuldigte sich bei Albon und Williams für den unnötigen Schaden.

Damit blieb McLaren am Circuit Gilles Villeneuve ohne jeden Zähler. Ein Bericht bezifferte den Rückstand in der Konstrukteurs-WM nach Montreal auf 113 Punkte auf Spitzenreiter Mercedes.