McLaren wird den Begriff „papaya rules“ für seine internen Verhaltensregeln zwischen den Fahrern nicht mehr verwenden, nachdem das Label zum umstrittenen Symbol für den Umgang des Teams mit dem Titelduell 2025 zwischen Lando Norris und Oscar Piastri geworden war.
Die Formulierung sollte ursprünglich beschreiben, wie die beiden McLaren-Piloten gegeneinander fahren dürfen: frei, mit genügend Platz und ohne Berührung. Öffentlich bekannt wurde sie in Monza, als Norris von seinem Renningenieur Will Joseph mitgeteilt bekam, er dürfe Piastri „unter Einhaltung der papaya rules“ angreifen. Was als interne Leitlinie für sauberes teaminternes Racing gedacht war, wurde im Verlauf der Saison aber zunehmend zum Reizthema.
Der zentrale Grund war die Frage, ob diese Regeln überhaupt einheitlich angewendet wurden. Besonders Monza, wo Piastri angewiesen wurde, Norris Platz zwei zu überlassen, und der Vorfall in Singapur, bei dem Norris seinen Teamkollegen berührte oder beinahe berührte und ohne unmittelbare Strafe im Rennen davonkam, verschärften die Kritik. Daraus entstand der Vorwurf, die Regeln würden vor allem dann greifen, wenn sie Norris im Titelkampf nützten.
Piastri deutete selbst an, dass McLaren den Ansatz überarbeitet hat. „Die papaya rules werden anders aussehen“, sagte Oscar Piastri. „Wir haben uns vergangenes Jahr an manchen Stellen wahrscheinlich Kopfschmerzen bereitet, die nicht nötig gewesen wären.“
Dass der Begriff intern praktisch verschwunden ist, wurde auch außerhalb des Teams so dargestellt. Im High Performance Racing Podcast sagte Moderator Jake Humphrey: „Ich glaube, sie haben das jetzt fallen gelassen.“ Später ergänzte er: „Es ist fast schon zur Karikatur geworden. Papaya rules! Man verbindet das jetzt mit einer Phase der Verwirrung für alle. Ich glaube nicht, dass man diesen Ausdruck noch hören wird.“
Für McLaren ist das mehr als nur eine sprachliche Korrektur. Die Debatte beschädigte nicht nur die Außendarstellung des Teams, sie hatte auch sportliche Schärfe: Piastri beendete die Saison 2025 als WM-Dritter, 13 Punkte hinter Norris, und die Diskussion über seine Behandlung bei McLaren ging laut den Berichten sogar so weit, dass sie im australischen Parlament aufgegriffen wurde.
© Jonathan Borba