Charles Leclerc hat im einzigen freien Training zum Miami-Grand-Prix die Bestzeit gesetzt und damit ein erstes deutliches Signal im Kräftevergleich nach der langen Pause und den großen Update-Paketen gesendet. Der Ferrari-Pilot fuhr in 1:29,310 Minuten die schnellste Runde und verwies Max Verstappen im Red Bull um 0,297 Sekunden sowie Oscar Piastri im McLaren um 0,448 Sekunden auf die Plätze, während Mercedes nach drei Saisonsiegen einen schwierigen Auftakt erlebte.
Gerade weil Miami ein Sprint-Wochenende ist, hatte diese Session besonderes Gewicht. Die FIA verlängerte das einzige Training von 60 auf 90 Minuten, nachdem es fünf Wochen keine Streckenaction gegeben hatte, technische Regelanpassungen eingeführt wurden und den Teams vor dem Sprint sonst kaum Vorbereitungszeit geblieben wäre. Fast das gesamte Feld brachte Updates mit, und Ferrari nutzte diese Ausgangslage sofort.
Leclerc war schon auf den harten Reifen stark und steigerte sich in der Schlussphase auf Softs entscheidend. Lewis Hamilton unterstrich Ferraris Form mit Rang vier in 1:29,777 Minuten, 0,467 Sekunden hinter seinem Teamkollegen. Damit platzierte Ferrari beide Autos in den ersten vier und wirkte im ersten echten Vergleich nach der Pause sofort wie ein ernsthafter Herausforderer für Mercedes.
Auch die Reihenfolge hinter Leclerc deutete auf einen offenen Kampf an der Spitze hin. Verstappen schob sich auf 1:29,607 Minuten nach vorn, Piastri folgte mit 1:29,758. Drei verschiedene Teams in den Top 3 und Hamilton direkt dahinter sprechen dafür, dass sich vor dem Sprint-Qualifying ein enger Vierkampf andeutet.
Für Mercedes verlief die Session deutlich unruhiger. Andrea Kimi Antonelli, Mercedes-Pilot und WM-Führender, wurde mit 1:30,079 Minuten Fünfter, setzte diese Zeit aber auf dem harten Reifen. Als das Feld in der Schlussphase auf Softs umstieg, stand sein Auto wegen eines Problems an der Power Unit in der Garage, das nicht rechtzeitig behoben werden konnte. Damit fehlte ausgerechnet dem bislang stärksten Team des Jahres der direkte Schlussangriff auf die Bestzeit.
George Russell hatte ebenfalls Probleme. Er meldete früh ein Turbo-Thema, das in der Garage per Reset behoben wurde, kam danach aber nie wirklich in einen sauberen Rhythmus. Am Ende blieb nur Platz sechs in 1:30,100 Minuten, 0,790 Sekunden hinter Leclerc. Für ein Team, das die ersten drei Rennen gewonnen hatte, war das ein spürbarer Dämpfer.
McLaren wirkte näher an der Spitze, als Rang sieben für Lando Norris vermuten lässt. Norris kam nur auf 1:30,208 Minuten, nachdem sein schneller Versuch auf Softs in Kurve 17 durch Verkehr und ein Ausweichmanöver gegen Alex Albons Williams zerstört wurde. Piastris drittschnellste Runde dürfte das Potenzial des MCL40 deshalb besser abgebildet haben als Norris’ Endplatzierung.
Hinter den ersten sieben führte Pierre Gasly Alpine als Achter an, vor Isack Hadjar und Carlos Sainz. Aston Martin verlor derweil schon zu Beginn viel Zeit wegen eines Problems mit der Stromversorgung in der Garage, trat ohne Updates an und kam nur auf Rang 19 mit Fernando Alonso und Rang 22 mit Lance Stroll.
Weil es vor dem Sprint-Qualifying keine zweite Trainingschance gibt, bekommt Leclercs Bestzeit zusätzliches Gewicht: Ferrari hat seine Upgrades sofort in Leistung übersetzt, während Mercedes ausgerechnet im ersten direkten Vergleich des Wochenendes Antworten schuldig blieb.
© Jonathan Borba