Charles Leclerc hat nach seinem scharfen Funkspruch gegen Kimi Antonelli im Sprint von Miami zurückgerudert und eingeräumt, seine Worte seien im Eifer des Gefechts zu hart gewesen.
Der Ferrari-Pilot geriet in den ersten Runden des 19-Runden-Sprints in ein enges Duell mit dem Mercedes-Fahrer, nachdem Antonelli von Startplatz zwei beim Losfahren mehrere Positionen verloren hatte und Leclerc vorbeigegangen war. In der hitzigen Anfangsphase beschwerte sich Leclerc bei seinem Renningenieur Bryan Bozzi über Antonellis Fahrweise und funkte: „Kimi ist wirklich schlecht im Rad-an-Rad-Kampf. Er hat sich beim Bremsen bewegt, das ist unglaublich. Wir werden am Ende zusammenstoßen.“
Nach dem Rennen klang Leclerc deutlich versöhnlicher. Vor den Medien sagte er, er sei „ein bisschen zu hart“ gewesen, auch wegen des Adrenalins im Auto. Gegenüber Sky Sport F1 wurde er noch deutlicher: „Ich möchte mich für die Kommentare entschuldigen, die ich zu Beginn des Rennens über Kimi gemacht habe, die ein bisschen aggressiv waren.“ Er stellte klar: „Ich denke nicht, was ich gesagt habe.“
Leclerc erklärte, dass die direkten Duelle mit Antonelli für ihn schon öfter zu aggressiv verlaufen seien, er die Situation aber nicht weiter anheizen wolle. Er sagte, ihre Kämpfe seien „immer ein bisschen aggressiver, als mir lieb ist“, und ergänzte, ausgerechnet mit „dem einzigen italienischen Fahrer im Feld gegen Ferrari“ wolle er solche Szenen eigentlich nicht haben. Zugleich betonte er, dass er Antonelli „als Person sehr“ möge.
Damit wurde aus einem der auffälligsten Momente des Sprints innerhalb weniger Stunden eine öffentliche Entschuldigung. Leclerc machte zwar klar, dass ihm das Rad-an-Rad-Duell in Miami zu weit gegangen war und es „ein bisschen zu eng“ geworden sei, nahm aber den Grundton seiner Kritik ausdrücklich zurück.
Brisant bleibt der Vorfall auch wegen der Vorgeschichte zwischen beiden. Schon in Interlagos im vergangenen Jahr hatte Leclerc Antonelli nach einer Kollision in Kurve 1 öffentlich kritisiert. Dass er seine Aussagen diesmal so schnell relativierte, ist deshalb der entscheidende neue Aspekt.
Sportlich kam Leclerc mit Rang drei besser aus dem Sprint als Antonelli. Der Mercedes-Pilot fiel nach Platz vier im Ziel wegen einer Fünf-Sekunden-Strafe für wiederholte Track-Limits-Vergehen auf Rang sechs zurück. In der WM blieb Antonelli trotzdem vorn, mit sieben Punkten Vorsprung auf George Russell, während Leclerc als Dritter ohne größeren Schaden im Titelkampf blieb.
© Jonathan Borba