Ryo Hirakawas FP1-Einsatz für Haas beim Grand Prix von Österreich ist von einem Zwischenfall in der Boxengasse überschattet worden: Der Japaner traf beim Anbremsen seines Boxenstopps einen Haas-Mechaniker, nachdem er über seinen Haltepunkt hinausgeschossen war. Das Team erklärte anschließend, dem Crewmitglied sei nach einem "sehr leichten Kontakt" nichts passiert.
Der Vorfall ereignete sich am Red Bull Ring, als Hirakawa den Haas von Esteban Ocon zurück an die Box brachte. Berichten zufolge fuhr er zu weit in seine Markierung hinein und berührte dabei den Frontlinks-Mechaniker der US-Mannschaft. Der Mechaniker ging zu Boden, stand aber unmittelbar wieder auf. Haas bestätigte danach, dass er in Ordnung sei und keine ernsthafte Verletzung erlitten habe.
Fernsehbilder des Moments waren in der laufenden Übertragung nicht zu sehen. Einer der Berichte verweist allerdings darauf, dass Onboard-Aufnahmen den Kontakt festhielten. Unabhängig davon war die entscheidende Nachricht für Haas schnell klar: Der Mechaniker konnte direkt weitermachen.
Ryo Hirakawa erklärte Sky F1 anschließend den Ablauf und machte einen Bedienfehler am Lenkrad verantwortlich. Der Haas-Ersatzfahrer sagte: "Ich bin noch sehr neu in diesem Auto." Er ergänzte: "Ich dachte, ich hätte den Neutral-Knopf gedrückt, aber ich habe den falschen Knopf gedrückt, also ging das Auto in den Anti-Stall-Modus." Deshalb habe er den Wagen nicht anhalten können. "Das Auto konnte einfach nicht stoppen. Ich bin danach sofort zu dem Mann gegangen, und es ging ihm gut. Das ist das Wichtigste."
Damit bekam eine eigentlich routinemäßige Rookie-Session sofort eine andere Schlagzeile. Hirakawa gehörte in der ersten Trainingsstunde in Spielberg zu sechs Nachwuchs- beziehungsweise Ersatzfahrern im Feld. Neben ihm saßen Jak Crawford für Aston Martin, Luke Browning für Williams, Dino Beganovic für Ferrari, Paul Aron für Audi und Ayumu Iwasa für Racing Bulls im Auto.
Gerade dieser Kontext machte den Vorfall für Beobachter relevant. Sky-F1-Analyst Anthony Davidson sagte, der Zwischenfall zeige, warum bei Einsätzen von unerfahrenen oder mit dem Auto noch nicht vertrauten Fahrern womöglich "bestimmte Protokolle" nötig seien. Als Beispiel nannte er: "Zum Beispiel sollten alle Mechaniker Helme tragen." Davidson betonte, er sei froh, dass dem Betroffenen nichts passiert sei, warnte aber zugleich, dass der Ausgang leicht ein anderer hätte sein können.
Sein zentraler Punkt war die Komplexität moderner Formel-1-Abläufe in der Box. Fahrer, die mit den vielen Funktionen am Lenkrad noch nicht vollständig vertraut seien, könnten schon mit einem kleinen Fehlgriff ernste Folgen auslösen. Davidson formulierte es so: "Eine einfache Fehleinschätzung und ein falscher Druck auf einen Knopf können ziemlich gravierende Folgen haben." Genau deshalb dürfte der kurze Kontakt in der Haas-Box über diese eine FP1-Szene hinaus Fragen darüber aufwerfen, welche zusätzlichen Sicherheitsabläufe bei Rookie-Einsätzen sinnvoll sind.
© Jonathan Borba