Lewis Hamilton hat mit seinem ersten Grand-Prix-Sieg für Ferrari in Barcelona ein Kindheitsbild vollendet, das für ihn seit Michael Schumachers Ferrari-Durchbruch 1995 auf derselben Strecke existierte. Ganz stimmte der Moment für ihn aber nicht mit der Erinnerung überein, weil der Ferrari von heute nicht so aussieht wie das Auto, von dem er als Zwölfjähriger geträumt hatte.
Hamilton stellte die Verbindung nach dem Rennen selbst her. Fast genau 30 Jahre nach Schumachers erstem Ferrari-Sieg am Circuit de Catalunya erinnerte er sich daran, wie er damals zuhause vor dem Fernseher saß. „Ich habe damals wahrscheinlich auf der Couch gesessen und mir das Rennen angeschaut. Dabei hatte ich wohl einen Teller auf meinem Schoß, mit einem Sandwich oder einer Nudelsuppe mit Hühnchen“, sagte Lewis Hamilton nach dem Rennen. „Ich war damals gerade einmal 12 Jahre alt.“
Entscheidend war für ihn weniger nur der Sieg Schumachers als das Bild des Autos. „Und als ich das rote Auto gesehen habe, dachte ich mir nur: Ich würde gerne wissen, wie es sich anfühlt, in diesem roten Cockpit zu sitzen“, sagte Hamilton. Genau diese Vorstellung habe ihn über Jahre begleitet, bis er sie nun mit Ferrari auf der Strecke von Barcelona selbst erleben konnte.
Dass der Augenblick trotzdem einen kleinen Bruch hatte, erklärte er offen. „Mein Cockpit ist leider weiß, und ich bin darüber nicht glücklich“, sagte Hamilton. „Ich wollte immer ein rotes Auto, so wie Michael. Ich werde es aber irgendwann wieder ganz rot bekommen.“ Die Bemerkung bezog sich auf die weiße Cockpiteinfassung und weitere weiße Elemente am diesjährigen Ferrari.
Diese Gestaltung ist Teil der aktuellen Lackierung rund um den Titelsponsor HP. Ferrari hatte die weißen Flächen in das Design aufgenommen, nachdem der Kontrast zwischen dem traditionellen Rot der Scuderia und dem Blau des Sponsors zuvor Kritik ausgelöst hatte.
Der emotionale Kern des Sieges wurde für Hamilton dadurch aber nicht geschmälert. Im Parc fermé und auf dem Podium erlebte er zum ersten Mal als Ferrari-Pilot den direkten Ausbruch der Freude im Team. „Es war wirklich unglaublich, das zu sehen, die Freude in ihren Augen zu erkennen und den Moment mit ihnen zu fühlen“, sagte Hamilton. „Ich bin fast in Ohnmacht gefallen, als ich sie alle umarmt habe. Mein Herz ist vor Freude explodiert.“
Genau darin lag die eigentliche Bedeutung dieses Erfolgs: Hamilton bekam in Barcelona endlich das Ferrari-Erlebnis, das er seit Schumacher mit sich getragen hatte, auch wenn es optisch noch nicht ganz dem roten Bild seiner Kindheit entsprach.
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