Isack Hadjar hat in Monaco als Dritter sein erstes Podium für Red Bull geholt, obwohl sein Wochenende mit einem schweren FP1-Unfall begann, sein Auto im Rennen früh kaum noch fahrbar war und sein Ergebnis erst nach einer FIA-Untersuchung endgültig bestätigt wurde.
Hadjar kam zunächst als Vierter ins Ziel, rückte dann nach Strafen gegen George Russell und Pierre Gasly auf Rang drei vor. Danach musste Red Bull noch auf das Urteil der Sportkommissare warten, weil während der Rennunterbrechung an Auto Nummer 6 unerlaubte Arbeiten vermutet wurden. Die FIA hielt nach der Anhörung fest, dass das Team zwar versucht habe, Zündkerzen oder Spulen zu wechseln, den Wechsel aber nicht durchgeführt habe und das Auto im selben Zustand wieder gestartet sei. Deshalb gab es keine weitere Maßnahme und Hadjar behielt Platz drei.
Der Franzose sagte nach dem Rennen, dass sich der Grand Prix schon früh in einen Überlebenskampf verwandelt habe. Ab etwa Runde 12 habe er massive Fahrbarkeitsprobleme gehabt, das Auto sei "ganz einfach unfahrbar" geworden. Gerade in Monaco sei das besonders kritisch, weil man sich dort Probleme mit dem ersten oder zweiten Gang nicht leisten könne. Später kam auch noch Leistungsverlust dazu, den er selbst beim letzten Re-Start noch spürte. Zeitweise, so schilderte er, habe er sogar befürchtet, dass der Motor hochgehen könnte.
"Es ist aus vielen Gründen ein zufriedenstellendes Ergebnis, weil ich das Wochenende offensichtlich auf die schlimmstmögliche Art begonnen habe", sagte Isack Hadjar, Red-Bull-Pilot, nach dem Rennen. Er habe sich ein einfacheres Rennen gewünscht, aber so viele Probleme im Auto gehabt, dass er zwischenzeitlich wirklich geglaubt habe, dieses Wochenende werde außerhalb der Punkte enden. Trotzdem habe er weiter attackiert. Auf dem letzten Re-Start verlor er zwar zwei Positionen, blieb aber nahe genug dran, um nach den Strafen noch aufs Podium zu rücken.
Dass Hadjar überhaupt in dieser Position war, machte den Sonntag zusätzlich bemerkenswert. Am Freitag hatte er im ersten Training im Swimming-Pool-Abschnitt heftig eingeschlagen, nachdem das Heck überraschend ausgebrochen war. Der Schaden kostete ihn viel Fahrzeit und vor allem Vertrauen. Er sagte später, er habe "praktisch keinen Freitag" gehabt, weil er in FP2 "überhaupt kein Gefühl" für das Auto gehabt und sein Selbstvertrauen komplett verloren habe.
Erst in FP3 gelang ihm der Umschwung. Hadjar sprach davon, dort "einen Schritt gemacht" zu haben, ehe er sich im Qualifying auf Rang fünf stellte. Schon danach hatte er von gemischten Gefühlen gesprochen, weil der Aufbau in Q3 zu unruhig gewesen sei und er noch Zeit habe liegen lassen. Für das Rennen verschaffte ihm diese Ausgangslage aber die Chance, aus einem verkorksten Wochenende doch noch Kapital zu schlagen.
Umso höher bewertete er den dritten Platz. Monaco sei eine Strecke, auf der man mit jeder Runde Vertrauen aufbauen müsse, sagte er, und genau das habe ihm anfangs gefehlt. Dass daraus trotzdem sein erstes Podium mit Red Bull wurde, wertete er als Beleg für den Fortschritt des Teams. Seit Miami habe Red Bull klar zugelegt, sagte er, auch in Kanada sei man konkurrenzfähig gewesen und habe gut mit Ferrari gekämpft. Monaco sei dafür "nicht wirklich" repräsentativ, aber sein Eindruck sei, dass Red Bull inzwischen auf einem ähnlichen Niveau liege und genau dort weiter angreifen wolle.
© Jonathan Borba