Haas wird seine Fahrerentscheidung für 2027 nach Angaben von Teamchef Ayao Komatsu ausschließlich nach Leistung treffen und nicht nach Nationalität, Herstellerverbindungen oder politischem Einfluss. Vor dem Belgien-Grand-Prix wies Komatsu damit Spekulationen zurück, Ferrari oder die neue Toyota-Partnerschaft könnten den Ausschlag im Kampf um das zweite Cockpit neben Oliver Bearman geben.
Der Zeitpunkt ist brisant, weil Haas bereits an seiner Aufstellung für 2027 arbeitet. Bearman dürfte im Rahmen seiner Ferrari-Verbindung für eine dritte und wohl letzte Saison beim US-Team bleiben, während Esteban Ocons Platz deutlich weniger sicher wirkt. Der Franzose konnte Bearman 2026 bislang nicht konstant matchen und beklagte, dass ihn Unbeständigkeiten des Autos bis auf zwei Rennwochenenden durch die Saison begleitet hätten.
Damit hat sich der Fokus auf die Nachfolgekandidaten verlagert. Als wichtigste Optionen gelten Leonardo Fornaroli und Rafael Camara. Fornaroli hat bereits in einem älteren Haas getestet und gilt als in seiner Entwicklung weiter, was ihn zur sichereren kurzfristigen Lösung machen könnte. Camara hat Ferrari mit seiner natürlichen Einlenkgeschwindigkeit beeindruckt, gilt aber noch als nicht ganz ausgereift. Für ihn wird auch ein Jahr als vollwertiger Formel-1-Reservefahrer als mögliche nächste Stufe in Betracht gezogen.
Genau gegen die naheliegende Deutung, Haas könne sich wegen seiner Verbindungen zu Ferrari oder Toyota in eine bestimmte Richtung bewegen, stellte sich Komatsu ausdrücklich. Ayao Komatsu, Teamchef von Haas F1, sagte, er habe diesen Punkt auch Toyota-Präsident Akio Toyoda von Beginn an unmissverständlich erklärt: „Wenn wir einen Fahrer wegen seiner Nationalität einsetzen, dann diskreditiert das alle Menschen, die diese Entscheidung treffen, einschließlich des Fahrers.“ Deshalb gelte bei Haas: „Wir wählen den Fahrer zu 100 Prozent nach Leistung aus.“ Er betonte auch, dass das Team niemanden einsetzen werde, der langsamer sei, nur weil er Japaner, Italiener oder aus einem anderen für Partner interessanten Markt komme.
Komatsu ließ zwar offen, dass bei völlig gleicher Leistung Zusatzfaktoren wie Budget, Rückhalt in einem Land oder gesteigertes Interesse einen Mehrwert darstellen könnten. Der Hauptmaßstab bleibe aber die Performance. Das richtet sich nicht nur gegen Vermutungen rund um Camaras Ferrari-Nähe, sondern auch gegen die Annahme, Toyota könne über seine technische Partnerschaft Einfluss auf die Cockpitbesetzung nehmen.
Die Lage wird auch dadurch komplizierter, dass Haas nicht der einzige Akteur in dieser Entscheidung ist. Ferrari und McLaren versuchen beide, Nachwuchsfahrer in der Formel 1 zu platzieren. Andrea Stella, Teamchef von McLaren, nannte Fornaroli „sicherlich ein Asset für die Formel 1 in der Zukunft“ und sagte, man werde gemeinsam mit ihm Möglichkeiten in der Formel 1 ausloten. Das spricht dafür, dass McLaren einem Einstieg bei Haas nicht im Weg stehen würde, den Italiener aber möglichst nicht vollständig aus der Hand geben will.
Haas hat zudem keinen unmittelbaren Zeitdruck. Nach den vorliegenden Informationen gibt es „keine Eile“, weil der gesamte Fahrermarkt noch nicht vollständig in Bewegung gekommen ist. Solange andere größere Entscheidungen nicht formell gefallen sind, hat Haas auch keinen kompletten Überblick darüber, ob neben den Junioren noch erfahrene Alternativen verfügbar werden könnten.
Hinzu kommt, dass Haas Bearmans Zukunft nicht allein bestimmen kann. Komatsu stellte klar, dass der Brite vertraglich an Ferrari gebunden ist. Haas könne zwar nur darauf hinarbeiten, mit Bearman gute Ergebnisse zu erzielen und ihn im Team halten zu wollen, die letztliche Entscheidung liege aber nicht in Kannapolis. Für Haas bedeutet das, dass die Planung für 2027 nicht nur von Ocons Form und dem Vergleich zwischen Fornaroli und Camara abhängt, sondern auch davon, ob Bearman überhaupt verfügbar bleibt.
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