Red Bull hat beim Grand Prix von Belgien den bislang deutlichsten Hinweis geliefert, dass das Team 2026 wirklich einen Schritt nach vorn gemacht hat: Max Verstappen wurde in Spa-Francorchamps Dritter, Isack Hadjar fuhr nach dem Start von Platz 21 noch auf Rang sechs, und damit wirkte der Auftritt nicht wie ein Ausreißer, sondern wie ein belastbarer Fortschritt.
Teamchef Laurent Mekies wertete das Wochenende entsprechend positiv. Nach einem schwierigeren Auftritt in Silverstone habe Spa bestätigt, dass Red Bull wieder um die Spitzenplätze kämpfen könne. Er sagte, das Team habe nach Österreich "einen Schritt gemacht", und ergänzte: "Ein solides Wochenende für das ganze Team. Es war gut, im Qualifying in den Top 3 zu sein, aber noch besser ist es, am Renntag dort zu sein und einen guten Rennrhythmus zu zeigen."
Gerade das machte das Ergebnis in Belgien so wichtig. Verstappen stand nicht nur als Dritter auf dem Podium, sondern Red Bull brachte mit Hadjar auch das zweite Auto weit nach vorn. Mekies sprach von einer "fantastischen" Pace und hob hervor, dass Hadjar 15 Positionen gutmachte. Der Franzose habe "das Tempo der ersten Drei mitgehen" können, sich durchs Feld gearbeitet und "Lando hinter sich gehalten". Für Mekies war es "ohne Zweifel sein bestes Rennen mit uns".
Ganz zufrieden konnte Red Bull trotzdem nicht sein. Mekies sagte, Verstappen sei auf regulärem Weg auf Kurs zu Platz zwei gewesen, bevor das Virtual Safety Car das Team benachteiligt habe. Zugleich machte er klar, dass der Sieger Kimi "wahrscheinlich außer Reichweite" gewesen sei, wenn es um das reine Tempo ging. Das unterstreicht die Lage bei Red Bull: Die Mannschaft ist wieder nah genug dran, um Podien abzusichern, aber die letzten entscheidenden Zehntel auf einen Sieg fehlen noch.
Diese Entwicklung passt zu der Einschätzung von Ex-Formel-1-Fahrer Jolyon Palmer. In seiner Kolumne für F1 schrieb er, die "großartige Nachricht" für Red Bull sei, dass das Team inzwischen "auf einer ganzen Reihe von Strecken" konkurrenzfähig wirke, obwohl diese sehr unterschiedliche Anforderungen an das Auto stellten. Zu Saisonbeginn hätten beide Fahrer nicht nur unter mangelndem Abtrieb gelitten, sondern auch unter einer Balance, die "nicht nur über eine Runde, sondern sogar von Kurve zu Kurve" inkonstant gewesen sei.
Palmer sah in Spa deshalb einen besonders aussagekräftigen Test. Red Bull habe dort "schon ab den ersten Runden im Training" ein starkes Tempo gezeigt, auf einer Strecke, deren "lange, schnelle Kurven" Schwächen im Fahrverhalten besonders schonungslos offenlegten. Aus seiner Sicht war das Belgien-Wochenende also mehr als nur ein weiteres Podium für Verstappen.
Auch Hadjars Rennen wertete Palmer als Signal. Er nannte Spa dessen bisher bestes Rennwochenende und schrieb: "Isack war in diesem Jahr extrem solide, aber ich fand Spa tatsächlich sein bestes Rennwochenende bisher, es war so gut wie fehlerlos." Dass Red Bull nun wieder zwei konstant starke Autos im Feld habe, sei auch deshalb wichtig, weil ein zweiter Fahrer auf diesem Niveau dem Team seit Jahren gefehlt habe. Palmer formulierte es so: "Seit Daniel Ricciardo 2018 hatte Red Bull keinen zweiten Fahrer mehr, der so konstant schnell ist, und das zahlt sich nun auch mit wertvollen Punkten aus."
Das Ergebnis in Spa brachte Red Bull das 300. Podium der Teamgeschichte und Verstappen sein 130. Podium. Noch wichtiger als diese Marken ist aber die sportliche Richtung: Mekies sagte, Red Bull habe nun in den vergangenen drei Rennen um das Podium kämpfen können und werde nicht aufhören, bis die fehlenden Zehntel gefunden sind, um wieder Rennen zu gewinnen.
© Morio