Mercedes hat offiziell bestätigt, dass Nachwuchschef Gwen Lagrue das Team verlässt, und Red Bull hat ihn als neuen Direktor seines Juniorenprogramms vorgestellt. Damit wechselt einer der einflussreichsten Talentscouts im Fahrerlager zu einem direkten Rivalen.
Lagrue kam im Januar 2016 als Leiter der Fahrerentwicklung zu Mercedes. Nach Angaben des Teams spielte er eine zentrale Rolle dabei, George Russell, Kimi Antonelli und Esteban Ocon in die Formel 1 zu führen. Gerade deshalb hat der Wechsel sportliches Gewicht, weil Red Bull nicht nur Personal gewinnt, sondern Know-how in einem Bereich, der für die langfristige Fahrerplanung entscheidend ist.
Besonders deutlich wird Lagrues Einfluss an Antonellis Reaktion. Kimi Antonelli sagte, es gebe "keinen Zweifel", dass sein Weg in die Formel 1 ohne Lagrue ganz anders ausgesehen hätte. Antonelli erklärte: "Gwen war enorm wichtig. Er war einer der wichtigsten Gründe, warum ich überhaupt in das Programm gekommen bin, und er hat natürlich großartige Arbeit geleistet, für mich und für das Programm im Allgemeinen. Er hat immer alles dafür getan, mich jedes Jahr in die bestmögliche Position zu bringen. Ich bin ihm daher auf jeden Fall dankbar für die Chancen, die er für mich geschaffen hat."
Mercedes verabschiedete Lagrue am Montag mit einem Beitrag in den sozialen Medien und würdigte dabei ausdrücklich seine Arbeit mit den aktuellen Formel-1-Fahrern des Teams. Das Team schrieb: "Danke, Gwen. Es war eine großartige Reise. Gemeinsam haben wir viele junge Fahrer entwickelt, darunter unsere aktuellen F1-Fahrer George und Kimi, und du hast einen fantastischen Beitrag geleistet. Wir haben einen echten Nachfolger des ursprünglichen Mercedes-Benz-Juniorenteams aufgebaut, und du hinterlässt eine talentierte Gruppe, die diese Arbeit fortsetzen wird."
Vor der offiziellen Bestätigung hatte Toto Wolff am 19. Juli noch erklärt, dass Gespräche über Lagrues Zukunft liefen, ohne dass zu diesem Zeitpunkt bereits eine Entscheidung gefallen sei. Zugleich betonte der Mercedes-Teamchef, Lagrue habe "ein fantastisches Team" aufgebaut. Laut Wolff verfügt Mercedes für die Zukunft über "etwa sieben, acht oder neun Leute", die das Juniorenprogramm weiterführen, dazu komme "eine Handvoll Juniors".
Die größere Bedeutung des Wechsels reicht aber über Mercedes hinaus. RacingNews365 hatte bereits am Belgien-GP-Wochenende berichtet, dass Lagrue von Red Bull abgeworben worden sei, um faktisch Helmut Marko an der Spitze des Red-Bull-Nachwuchsprogramms zu ersetzen. Marko soll Ende der Saison 2025 zurücktreten. Damit holt Red Bull nicht nur einen langjährigen Mercedes-Mann, sondern positioniert sich früh für die Nachfolge in einem Schlüsselbereich seiner sportlichen Zukunft.
© Jonathan Borba