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Gilles Villeneuve bleibt in Montreal der Maßstab

Vor dem Kanada-GP auf dem nach ihm benannten Circuit Gilles-Villeneuve haben aktuelle Formel-1-Fahrer und Jacques Villeneuve erklärt, warum Gilles Villeneuve bis heute als Ausnahmefigur nachwirkt, obwohl er nur sechs Grand Prix gewann und nie Weltmeister wurde.

Gerade dieser Widerspruch prägt seinen Mythos. Villeneuve gewann für Ferrari sechs Rennen, siegte am 8. Oktober 1978 beim ersten Formel-1-Grand-Prix in Montreal unter Regen und bei Temperaturen von höchstens fünf Grad Celsius, was laut den vorliegenden Angaben bis heute den Kälterekord der Formel 1 markiert. 1982 kam er im Qualifying zum Belgien-GP ums Leben. Ein Weltmeistertitel fehlt in seiner Bilanz trotzdem, doch an seinem Ansehen hat das rund um Montreal offenbar nichts geändert.

Charles Leclerc, Ferrari-Pilot, nannte Villeneuve eine „Ikone“ und „ein Vorbild seiner Zeit“. Er sagte, Villeneuve habe seine Epoche „besser als jeder andere“ verkörpert. Zugleich ordnete Leclerc ein, dass Villeneuve „in unserer Generation wohl nicht dasselbe Erbe wie Senna hinterlassen“ habe, fügte aber hinzu: „Er hätte mehr Anerkennung verdient.“

Pierre Gasly, Alpine-Fahrer, sieht genau darin ein Problem der Gegenwart. Villeneuve sei für seine Generation womöglich „aus einer vergessenen Zeit“, sagte er, auch weil es an Bildern fehle. Dennoch bleiben für Gasly die Szenen von Dijon präsent, „Rad an Rad“, ein Hinweis darauf, dass Villeneuves Ruf als kompromissloser Racer auch Jahrzehnte später noch an einzelnen Momenten hängt.

Lance Stroll, Aston-Martin-Pilot, zog die Linie noch klarer in Richtung Legende. Villeneuve sei „einer der mutigsten Fahrer der Geschichte“ gewesen, und das in „ultragefährlichen Autos“, sagte der Kanadier. „Alles an ihm führt zum Mythos.“ Damit beschrieb Stroll nicht nur den Fahrer, sondern auch den besonderen Platz, den Villeneuve im kanadischen Motorsport weiter einnimmt.

Lewis Hamilton, Ferrari-Fahrer, erklärte, er kenne Villeneuves Ära durch seine Nähe zu Niki Lauda. Mit einem Lachen legte Hamilton dann eine zugespitzte Wertung nach: „Gilles war viel besser als sein Sohn.“ Der Satz war provokant, zeigte aber auch, wie stark Gilles Villeneuves Ruf generationenübergreifend geblieben ist.

Am deutlichsten wird das Gewicht dieses Namens bei Jacques Villeneuve selbst. Jacques Villeneuve sagte, er habe lange über seinen Vater geschwiegen, weil andere von ihm immer eine bestimmte Antwort erwartet hätten. „Nein, ich bin nicht für meinen Vater gefahren, ich bin für mich gefahren“, sagte er. Er habe weder „in seinem Schatten noch gegen ihn“ antreten wollen.

Später brach Jacques dieses Schweigen und beschrieb Gilles offen als seinen Helden. Zugleich schilderte er, dass das „Gewicht des Namens Villeneuve“ zu Beginn seiner eigenen Laufbahn nicht leicht gewesen sei. Das Erbe seines Vaters definierte er so: schnell fahren, Risiken eingehen, aber immer die Regeln respektieren. Genau diese Mischung erklärt, warum Gilles Villeneuve in Montreal weiter größer wirkt als seine Statistik: nicht als Weltmeister, sondern als Referenz dafür, wie ein Fahrer in Erinnerung bleibt.