Die Formel 1 macht bei neuen Grands Prix gerade sehr klar, worauf es ankommt: nicht auf politische Ansagen, nicht auf einen kurzen Hype, sondern auf einen Plan, der fünf bis zehn Jahre trägt. F1-CEO und -Präsident Stefano Domenicali sagte Motorsport.com in der globalen Ausgabe, der fast volle 24-Rennen-Kalender lasse nur noch Märkte mit belastbarer Langfrist-Perspektive durch.
„Einer der relevanten Punkte ist nicht ein Spitzenwert für ein einzelnes Jahr“, sagte Domenicali, F1-CEO und -Präsident, im Gespräch mit Motorsport.com in der globalen Ausgabe. „Es geht darum, wie wir die Gewissheit haben können, dass es eine Vision für mehrere Jahre gibt, wenn wir an einen neuen Ort gehen, und dass es ein relevanter Markt sein muss.“ Im selben Gespräch zog er die Linie noch schärfer: „Wir können nicht an einen Ort gehen, wo sie vielleicht ein fantastisches Spitzenjahr haben, und was ist im Jahr darauf der Businessplan? Wie sieht die Fangemeinde aus? Wie ist der kommerzielle Status, der uns das Vertrauen gibt, dass ein Aufenthalt von fünf oder zehn Jahren gesichert ist? Wir müssen diesen Beweis sehen.“
Damit erklärt sich auch, warum die Formel 1 ihre bestehenden Rennen immer länger bindet. Laut dem Artikel ist der Großteil des Kalenders mindestens bis 2032 gesichert. Der Red Bull Ring in Österreich läuft sogar bis 2041. Melbourne, Madrid, Bahrain und Montreal bleiben jeweils mindestens ein weiteres Jahrzehnt im Kalender. Domenicali begründete diese Richtung auf Investoren-Calls mit zwei Punkten. „Es gibt viel Interesse aus anderen Regionen, aber wir sind ziemlich gut aufgestellt mit Partnern, die uns mit einer langfristigen Investition vertrauen, was wir für gut halten“, sagte Domenicali, F1-CEO und -Präsident, auf Investoren-Calls laut Artikel. Und weiter: „Erstens tue ich es, weil wir an diesen Markt glauben. Zweitens aber, weil wir den Promoter zu Investitionen auffordern können. Wenn man eine Vereinbarung über drei Jahre hätte, wie könnte man den Promoter zu Investitionen drängen?“
Genau deshalb laufen öffentliche Erfolgsmeldungen aus manchen Ländern ins Leere. Der Artikel berichtet, Äußerungen indischer Offizieller über eine F1-Rückkehr 2027 seien für das F1-Management neu gewesen und schnell zurückgewiesen worden. Aus Südafrika kämen laut Artikel regelmäßig ähnlich weitgehende Behauptungen. Auch Argentinien sei absehbar kein Thema. Laut Artikel will Buenos Aires erst die MotoGP auf dem renovierten Autodromo Oscar y Juan Galvez etablieren. Der durch Franco Colapinto ausgelöste Schub im Interesse reicht nach dieser Logik nicht aus.
Es gibt zwar weiter ernsthafte Bewerber. Der Artikel nennt Thailand und Südkorea mit Straßenrennen-Plänen in Bangkok und Incheon. Beide hätten solide Konzepte mit erheblichen Investitionen vorgelegt, öffentlich oder privat finanziert. Gleichzeitig sei keines der Projekte nah am Abschluss. In Thailand verzögerten laut Artikel jüngste politische Umwälzungen den Prozess, in Incheon hängen die Pläne von den kommenden Bürgermeisterwahlen ab.
Auch in den USA zieht Domenicali die Bremse, obwohl Interesse aus New York, Chicago und San Francisco besteht. „Ich denke, es gibt in den USA großes Interesse von anderen Orten, das weiter wächst“, sagte Domenicali, F1-CEO und -Präsident, im Gespräch mit Motorsport.com in der globalen Ausgabe. Mehr Rennen seien derzeit aber nicht ausgewogen. „Wir müssen achtsam sein. Natürlich könnten wir es in Erwägung ziehen, wenn wir in Zukunft Mexiko nicht mehr haben oder andere Dinge in dieser Weltregion passieren. Übrigens wollen sie verlängern. Aber jetzt noch mehr [Rennen] wäre meiner Meinung nach nicht ausgewogen“, sagte Domenicali, F1-CEO und -Präsident, im Gespräch mit Motorsport.com in der globalen Ausgabe.
Die langen Verträge helfen der Formel 1 nicht nur finanziell, sondern auch beim Zuschnitt des Kalenders. Laut Artikel wurde Kanada mit Monaco getauscht, damit Montreal mit Miami gepaart werden kann und zusätzliche Atlantik-Frachtflüge entfallen. Domenicali machte aber klar, dass Logistik nicht allein entscheidet. „Ich denke, dass wir bereits einen großen Schritt bei der Optimierung des Kalenders gemacht haben, auch wenn wir bedenken müssen, dass nicht nur der logistische Fluss respektiert werden muss, sondern auch die kommerzielle Seite jedes Events“, sagte Domenicali, F1-CEO und -Präsident, im Gespräch mit Motorsport.com in der globalen Ausgabe. „Man könnte logistisch sagen, man legt die vier Rennen im Nahen Osten hintereinander und die amerikanischen ebenfalls, aber kommerziell würde das nicht passen.“
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