Ralf Schumacher hat die Debatte um Lewis Hamiltons Zukunft bei Ferrari nach dem Miami-Wochenende deutlich verschärft. Der Sky-Experte sagte in „Backstage Boxengasse“, Hamilton und Fernando Alonso sollten aus seiner Sicht nach der Saison 2026 Platz machen, weil Hamilton gegen Charles Leclerc auf Dauer „wahrscheinlich keine Chance“ haben werde und nun die jüngere Generation an der Reihe sei.
Schumacher stellte dabei klar, dass er Hamiltons erste Ferrari-Monate nicht grundsätzlich negativ bewertet. „Lewis Hamilton steht dieses Jahr auf jeden Fall wieder besser da, gar keine Frage“, sagte er und verwies darauf, dass Hamilton die Saison 2025 ohne einen einzigen Podestplatz beendet hatte. 2026 holte der Brite bereits im zweiten Saisonrennen in China sein erstes Podium für Ferrari. Schumacher nannte es deshalb „super“, dass Hamilton „eine Art Comeback“ hingelegt habe.
Gerade deshalb wiegt seine Schlussfolgerung umso schwerer. Trotz der Fortschritte sehe Hamilton langfristig keine realistische Perspektive im teaminternen Duell mit Leclerc. Schumacher verwies darauf, dass der Abstand zuletzt wieder gewachsen sei. In Miami rückte Hamilton erst durch die nachträgliche 20-Sekunden-Zeitstrafe gegen Leclerc auf Rang sechs vor.
Aus dieser sportlichen Einschätzung leitete Schumacher seine Forderung nach einem Schnitt ab. Hamilton und Alonso hätten „eine wunderbare Zeit in der Formel 1 gehabt“, sagte er. „Und es wird für beide Zeit, glaube ich, das Cockpit zu räumen am Ende des Jahres und jungen Leuten eine Chance zu geben.“ Seine Begründung fiel grundsätzlich aus: „Ich glaube, alles hat ein Ende“.
Für Ferrari verknüpfte Schumacher diese Haltung direkt mit einem Namen. Oliver Bearman, Ferrari-Nachwuchsfahrer aus der Ferrari Driver Academy, fahre seit 2025 für Haas und habe „die Chance verdient, im Ferrari zu sitzen“, sagte Schumacher. Ein junger Fahrer wie Bearman könne sportlich „eine Aufgabe sein für Charles Leclerc“, auch wenn das nicht einfach wäre.
Schumacher deutete zugleich an, dass Ferrari das Thema nicht nur sportlich betrachte. Demnach wolle die Scuderia auch den Wert der Marke Hamilton erhalten. Er sagte, es sei klar, dass man „Lewis Hamilton behalten“ wolle. Trotzdem plädierte er dafür, den Nachwuchs höher zu gewichten, zumal aus der Formel 2 „jede Menge gute, junge Fahrer“ nachkämen, die eine Chance verdient hätten.
Damit trifft Schumacher einen sensiblen Punkt in Ferraris mittelfristiger Planung. Im Raum steht laut den vorliegenden Informationen eine Vertragsoption für Hamilton bis 2027, ein sofortiger Wechsel auf Bearman gilt aber als unwahrscheinlich. Sollte Ferrari 2026 die erhofften Resultate verfehlen und Hamilton den Abstand zu Leclerc nicht schließen, dürfte die von Schumacher geforderte Wachablösung in Maranello schnell noch ernster diskutiert werden.
© Jonathan Borba