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FIA will Ferraris Aero-Tricks ab 2027 verbieten

Die FIA bereitet den nächsten Regulierungsstoß gegen zwei von Ferrari ausgelöste Aero-Trends vor: Die inzwischen im Feld verbreiteten Auspuff-Flügel sollen ab 2027 verboten werden, und auch die Halo-Flügel der Scuderia stehen für denselben Zeitraum vor dem Aus.

Auslöser war Ferraris diesjährige Entwicklungsarbeit an zwei Grauzonen des Reglements. Besonders schnell eskaliert ist das Thema am Heck. Ferrari zeigte beim letzten Vorsaisontest eine neue Lösung hinter dem Auspuff-Endrohr, intern als „Flick Tail Mode“ bekannt. Die Konstruktion soll die heißen Abgase beeinflussen und wurde durch Ferraris Packaging am Heck möglich, genauer durch die Position des Getriebes relativ zur hinteren Crashstruktur. Haas konnte als Ferrari-Kundenteam mit übernommenem Heck diese Idee schon in China ebenfalls einsetzen.

Spätestens vor dem Grand Prix von Miami wurde daraus aber kein Ferrari-Spezialfall mehr, sondern ein neues Entwicklungsrennen. McLaren, Mercedes, Red Bull, Williams, Alpine und Cadillac brachten dort jeweils eigene Interpretationen solcher Auspuff-Flügel. Grundlage ist Artikel C3.9.2 des Technischen Reglements, der eine einzelne Auspuff-„Stütze“ erlaubt, ihre Grenzen aber nicht präzise festlegt, solange sich die Lösung innerhalb der erlaubten Volumina von Auspuff-Endrohr und Crashstruktur bewegt.

Genau dort setzt die FIA nun an. Nach derzeitigem Stand gelten die eingesetzten Lösungen als legal, doch der Weltverband will verhindern, dass sich in diesem Bereich ein teurer und komplexer Aero-Wettlauf entwickelt. Deshalb sollen nun Gespräche mit den Technischen Direktoren geführt und eine Regeländerung für 2027 vorbereitet werden. Weil es dabei nicht um Sicherheit geht, kann die FIA ein Verbot nicht allein durchsetzen, sondern braucht die Unterstützung der Teams im formalen Regelprozess.

Parallel arbeitet die FIA auch daran, Ferraris Halo-Flügel wieder aus dem Regelwerk zu drängen. Diese kleinen Flügelelemente an beiden Seiten der zentralen Halo-Stütze hatte Ferrari in Shanghai an den Autos von Charles Leclerc und Lewis Hamilton eingesetzt, danach nach Gesprächen mit der FIA aber wieder entfernt, um das Risiko eines Protests zu vermeiden.

Die ursprünglichen Zweifel betrafen zwei Punkte. Zum einen verlangt Artikel C15.5.2 für solche Verkleidungen ein bestimmtes Laminat, zu dem das zunächst verwendete transparente Material nicht gehörte. Zum anderen verwies Ferrari auf Regeln für transparente Elemente im Stil einer Windschutzscheibe, doch die FIA war nicht überzeugt, dass die vorgeschriebenen Maße eingehalten wurden: „less than 30mm in Z, less than 300mm in Y“ und „no more than 3mm thick“.

Für Miami überarbeitete Ferrari das Teil und brachte es in einer Version aus zulässigem Material zurück. Die FIA akzeptierte diese Auslegung, Hamilton fuhr die Lösung ab Freitag, während Leclerc darauf verzichtete.

Trotz der aktuellen Freigabe ist auch die Zukunft der Halo-Flügel bereits fraglich. Die FIA will die Lücke schließen, die mit dem neuen, ab 2026 eingeführten leichteren Halo entstanden ist. Dessen Masse ist auf 6 kg begrenzt, die zentrale Stütze fiel dadurch schmaler aus. Der zulässige Bereich RV-Halo wurde jedoch nicht im gleichen Maß verkleinert. So entstand rund um die Mittelstrebe Raum für zusätzliche Karosserieelemente, den Ferrari mit seinen Halo-Flügeln genutzt hat.

Anders als beim Auspuff-Thema stuft die FIA diesen Bereich als Sicherheitsfrage ein, weil sich die Bauteile im Sichtfeld des Fahrers befinden. Damit könnte sie die entsprechende Regellücke für 2027 auch ohne Zustimmung der Teams schließen. Für Ferrari heißt das, dass zwei der auffälligsten legalen Einfälle dieser Saison wohl nur ein begrenztes Leben haben werden, obwohl sie das Feld schon nach wenigen Rennen in neue Entwicklungsrichtungen gezwungen haben.