Die FIA will die 2026 eingeführte zusätzliche Fünf-Sekunden-Phase vor dem Formel-1-Start auch 2027 beibehalten. Einsitzer-Direktor Nikolas Tombazis machte klar, dass die „Pre-Start“-Prozedur im aktuellen Reglementzyklus bestehen bleiben soll, obwohl sie aus seiner Sicht nicht mehr in erster Linie ein Sicherheitsthema ist.
Tombazis sagte gegenüber ausgewählten Medien, die Regel sei inzwischen fester Bestandteil des Ablaufs: „Die fünf Sekunden sind ein etabliertes Verfahren. Ich sehe keinen Grund, warum sich das innerhalb des aktuellen Reglementzyklus ändern sollte.“ Zur Begründung verwies er nicht auf Unfallvermeidung, sondern auf die Vorbereitung der Fahrer: „Es geht einfach darum, dass die verschiedenen Autos zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Startaufstellung ankommen und die Fahrer die Möglichkeit haben müssen, sich vorzubereiten, um einen ordentlichen Start hinzulegen.“
Gerade darin liegt die Verschiebung der FIA-Argumentation. Die zusätzliche Vorwarnung war zu Saisonbeginn eingeführt worden, nachdem sich bei den Wintertests in Bahrain gezeigt hatte, dass mehrere Teams Probleme hatten, ihre Autos sauber von der Linie zu bekommen. Das löste im Fahrerlager eine politische Debatte aus, weil viele Teams mehr Zeit zum Hochdrehen von Turbolader und Drehzahl forderten, Ferrari wegen seines Vorteils mit kleinerem Turbolader aber dagegenhielt.
Den eigentlichen sicherheitsrelevanten Teil verortet Tombazis inzwischen an anderer Stelle. „Ich denke nicht, dass das so sehr ein Sicherheitsthema ist. Der elektrische Teil ist eher ein Sicherheitsthema“, sagte er. Auslöser dafür war der Saisonauftakt in Melbourne, als Liam Lawson extrem langsam von seinem Startplatz wegkam und Franco Colapinto nur knapp ausweichen konnte.
Als Reaktion darauf entwickelte die FIA ein „Low-Power Start Detection“-System. Erkennt es nach dem Lösen der Kupplung eine ungewöhnlich schwache Beschleunigung, greift automatisch die MGU-K ein, um ein Mindestmaß an Beschleunigung sicherzustellen. Tombazis betonte, dass das System keinen Leistungsvorteil schaffen solle, sondern nur gefährliche Extremfälle abfangen müsse.
So will die FIA 2027 beide Probleme parallel abdecken: Die Fünf-Sekunden-Phase bleibt als verlässliches Fenster zur Startvorbereitung bestehen, während die automatische MGU-K-Logik langsame Fehlstarts absichern soll. Den Effekt des Eingriffs beschrieb Tombazis knapp: „Aus einem katastrophalen Start wird ein schlechter Start, aber kein guter.“
© Jonathan Borba