Ferrari reist als überraschender Favorit nach Monaco, obwohl Mercedes die ersten fünf Grands Prix der Formel-1-Saison 2026 mit jeweils Pole und Sieg dominiert hat und selbst McLaren die Scuderia nun als Maßstab für das Wochenende sieht.
Lando Norris sagte nach dem Kanada-Grand-Prix gegenüber Medien, darunter RacingNews365: „Ehrlich gesagt glaube ich, dass Ferrari nächstes Wochenende in Monaco auf Pole stehen wird.“ Als Grund nannte der McLaren-Pilot die Stärke des Autos in langsamen Kurven: „Ihre Performance in langsamen Kurven ist viel besser als bei allen anderen.“
Diese Einschätzung kommt nicht aus dem Nichts. In Montreal deutete Ferrari bereits an, warum der SF-26 auf dem Stadtkurs im Fürstentum besonders gut funktionieren könnte. Lewis Hamilton fuhr in Kanada auf Platz zwei, obwohl die Ferrari auf den Geraden weiter im Nachteil ist. „Wenn man bedenkt, dass Montreal eine Strecke ist, auf der Topspeed entscheidend ist, und wir trotzdem dieses Ergebnis geholt haben, gibt mir das sehr viel Hoffnung für das, was als Nächstes kommt“, sagte Hamilton nach dem Rennen.
Der Brite benannte die Schwäche des Autos dabei klar. „Wir haben weniger Leistung als die anderen um uns herum“, sagte Hamilton in Montreal. „Selbst wenn wir den Overboost einsetzen, haben die anderen auf den Geraden immer noch mehr Leistung.“ Genau dieser Nachteil dürfte in Monaco aber deutlich weniger ins Gewicht fallen, weil die Strecke kaum echte Vollgaspassagen bietet und stattdessen Fahrzeugbalance, Traktion und Kurvengeschwindigkeit stärker belohnt.
Andrea Stella, Teamchef von McLaren Racing, stützte die Einschätzung seines Fahrers mit den Daten aus Kanada. „Wenn man sich die GPS-Daten anschaut, ist klar, dass Ferrari in den Kurven extrem konkurrenzfähig ist. Das haben wir hier in Montreal gesehen, besonders im ersten Sektor“, sagte Stella. Entscheidend sei zudem, gut über die Kerbs zu kommen. „Ferrari verliert den größten Teil seiner Zeit auf den Geraden. Aber davon gibt es in Monaco praktisch keine. Deshalb hat Lando recht, Ferrari als Favoriten für die Poleposition zu sehen.“
Gerade deshalb ist die veränderte Erwartung vor Monaco bemerkenswert. Mercedes hat bislang jedes Saisonrennen gewonnen, Kimi Antonelli holte vier dieser fünf Siege und führt die Fahrerwertung mit 43 Punkten Vorsprung auf Teamkollege George Russell an. Trotzdem richtet sich der Blick vor dem nächsten Wochenende nicht auf den Seriengewinner, sondern auf Ferrari als mögliches Referenzauto auf den Straßen von Monte-Carlo.
© Jonathan Borba