Stefano Domenicali hat die Formel 1 klar hinter eine mögliche Rückkehr zu Saugmotoren mit V8-Konzept ab 2030 oder 2031 gestellt und sich damit öffentlich auf die Seite des FIA-Vorstoßes für den nächsten Regelzyklus gestellt. Der Formel-1-CEO sagte gegenüber L’Équipe, er sei zu „1000 %“ dafür und unterstütze die Vision von FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem voll. Mit nachhaltigem Kraftstoff, leichteren Autos und V8-Motoren finde die Serie „die pure Essenz des Motorsports“ wieder, sagte Domenicali.
Die Aussage kommt in einem Moment, in dem die Debatte über die künftige Motorenrichtung im Fahrerlager deutlich an Schärfe gewonnen hat. Rund um den Großen Preis von Kanada wurde intensiv über die Ausrichtung der Antriebe nach 2026 diskutiert, weil der elektrische Anteil nach Ansicht mehrerer Fahrer zu dominant geworden ist. Im Raum steht ein möglicher Eingriff für 2027, um das Verhältnis zwischen Verbrenner- und Elektroanteil wieder stärker in Richtung des Verbrennungsmotors zu verschieben.
Lewis Hamilton schloss sich dieser Kritik nach seinem zweiten Platz in Montreal öffentlich an. Der Mercedes-Pilot sagte, die aktuelle Richtung „entspricht nicht dem, was Motorsport sein sollte“. Über frühere Motorengenerationen sagte Hamilton: „Der Motor sollte bis zum Ende der Geraden schreien und ohne Unterbrechung weiter anschieben. So war es in der Zeit der V8 oder V10.“ Damit bekam die Kritik an den hybriddominierten Konzepten zusätzliches Gewicht.
Domenicali stellte sich dabei nicht gegen die bestehenden Regeln insgesamt. Er verteidigte die aktuelle Generation der Antriebe und betonte, dass die Änderungen auf Wunsch der Beteiligten zustande gekommen seien. „Einige Leute, und ich würde hinzufügen: sehr wenige Leute, beschweren sich über die Regeln“, sagte er. Die Änderungen seien notwendig gewesen, weil die Hersteller sonst keine Motoren mehr an die Teams geliefert hätten. Da die Formel 1 nicht vollelektrisch werden wollte, sei ein Kompromiss gefunden worden, um neue Hersteller anzuziehen.
Genau darin liegt nun die politische Brisanz seiner Wortmeldung. Domenicali unterstützt einerseits die bestehende Hybrid-Logik als Ergebnis eines notwendigen Kompromisses, treibt andererseits aber schon offen die nächste große Wende hin zu einfacheren, leichteren und lauteren V8-Antrieben voran. Aus einer Fahrerkritik an der aktuellen Balance zwischen Batterie und Verbrenner ist damit eine Grundsatzfrage über die langfristige Identität der Formel 1 geworden, über ihre Kostenstruktur und darüber, wie der Sport seinen Motorenkurs für 2030 oder 2031 neu ausrichtet.
© Chris Game