Franco Colapinto hat den ersten Tag des zweitägigen Pirelli-Tests am Hungaroring als Schnellster beendet, während Gabriel Bortoleto mit 141 Runden die meiste Arbeit für die Entwicklung der Formel-1-Reifen für 2027 erledigte.
Der Alpine-Pilot fuhr in 1:20,371 die Bestzeit des Tages und kam auf 128 Runden, was 561 Kilometern entspricht. Bortoleto lag für Audi mit 1:20,813 knapp dahinter, sammelte mit 141 Umläufen aber das größte Pensum des Feldes und damit 618 Kilometer an Daten. Jak Crawford absolvierte für Aston Martin 136 Runden beziehungsweise 596 Kilometer und setzte seine schnellste Runde in 1:24,598.
Im Mittelpunkt des Testtags stand nicht die reine Rundenzeit, sondern Pirellis Entwicklungsarbeit für die 2027er Generation. Alle drei Fahrer verglichen zunächst verschiedene Evolutionsstufen der C3-Mischung, bevor längere Stints folgten, um Performance, Verhalten und Abbau der vielversprechendsten Varianten zu bewerten. Colapinto und Bortoleto übernahmen darüber hinaus ein erweitertes Programm mit mehreren Versionen der C4- und C5-Reifen, sowohl in Qualifying-Simulationen als auch über längere Distanzen.
Gerade deshalb war die Aufteilung des Tages aufschlussreich: Colapinto setzte die Referenz auf eine Runde, Bortoleto lieferte die höchste Laufleistung. Für Pirelli waren beide Werte wichtig, weil sie nicht nur einen schnellen Vergleich der Mischungen ermöglichten, sondern auch Rückschlüsse auf Konstanz und Verschleiß über längere Runs zuließen.
Die Bedingungen in Budapest erhöhten den Wert der gesammelten Daten noch einmal. Bei bis zu 30 Grad Lufttemperatur und einer Streckentemperatur von maximal 53 Grad herrschten genau jene belastenden Verhältnisse, unter denen sich Reifenverhalten und Abbau besonders deutlich ablesen lassen. Damit bekam Pirelli die Möglichkeit, die verschiedenen Spezifikationen unter hohem thermischen Stress zu vergleichen.
Auch Crawfords Tag fügte sich in dieses Bild ein. Der Aston-Martin-Reservefahrer war in das Vergleichsprogramm mit den unterschiedlichen C3-Varianten eingebunden und half dabei, zusätzliche Rückmeldungen über mehrere Runs hinweg zu sammeln. Während Colapinto und Bortoleto danach auch die weicheren Mischungen C4 und C5 abarbeiteten, ergänzte Crawford mit seinem Umfang die Datengrundlage des Herstellers.
Am Mittwoch wird der Test mit Colapinto und Bortoleto fortgesetzt. Beide sollen ein ähnliches Programm wie am Dienstag absolvieren, womit Pirelli die Entwicklung der Reifen für die kommende Saison weiter verdichten kann. Aston Martin bleibt zwar ebenfalls auf der Strecke, verlagert den Fokus aber auf einen Filmtag mit dem neu weiterentwickelten Honda-Motor, der auf 200 Kilometer begrenzt ist und mit Pirelli-Demoreifen gefahren wird.
© Jonathan Borba