Dänemark unternimmt einen neuen, langfristig auf die Formel 1 ausgerichteten Anlauf: Die Investoren Henrik Lyngbye Pedersen und Mathias Lyngbye Villadsen haben Pläne für den „Circuit of Denmark“ in Padborg vorgestellt, ein Projekt im Wert von rund 3,8 Milliarden dänischen Kronen, das eines Tages einen Grand Prix ins Land holen soll.
Der Kurs soll am bestehenden Standort von Padborg Park nahe der deutschen Grenze bei Flensburg entstehen. Nach den präsentierten Konzepten ist eine 6,006 Kilometer lange Strecke mit 18 Kurven und einer Kapazität von etwa 100.000 Zuschauern vorgesehen. Entworfen wurde die Anlage vom Designbüro des früheren Formel-1-Fahrers Alex Wurz, und das Ziel ist eine FIA-Grade-1-Lizenz, die für die Austragung eines Formel-1-Rennens nötig wäre.
Noch ist das Vorhaben aber weit von diesem Punkt entfernt. Laut den Berichten befindet sich das Projekt erst in einer frühen Planungsphase, und es laufen weiterhin Gespräche über den Erwerb zusätzlicher Flächen. Hinzu kommt, dass die geplante Strecke die Homologationsanforderungen der Formel 1 zunächst noch nicht erfüllen würde.
Rebecca Palmberg Steele, Projektleiterin von Circuit of Denmark, begründete die Standortwahl und die Ambition des Projekts gegenüber Børsen so: „Die Rennstrecke entsteht an einem Standort, der als Tor zu Europa fungiert.“ Sie sagte weiter, das Vorhaben könne „sowohl der Wirtschaft als auch der lokalen Gemeinschaft einen wichtigen Impuls geben“.
Der neue Vorstoß folgt auf ein zuvor gescheitertes dänisches Formel-1-Projekt in Kopenhagen. Nach Angaben von Ekstra Bladet waren die Gespräche mit der Formel 1 damals bereits weit fortgeschritten und wurden von der FIA unterstützt, bevor das Projekt scheiterte, als die politische Rückendeckung wegbrach.
Der frühere dänische F1-Projektchef Helge Sander begrüßte die neuen Pläne dennoch. Gegenüber Ekstra Bladet sagte er: „Ich habe mit beiden Händen applaudiert, als ich das gelesen habe, und ich hoffe, dass es Realität werden kann.“ Zugleich warnte er, „der Weg ist noch lang“.
Sander sieht die Herausforderungen nicht nur in der Größe des Projekts, sondern auch im Standort selbst. Er verwies auf hohe Anforderungen von Behörden und Staat bei Bau und Genehmigung und deutete an, dass Padborg nicht ideal zur modernen Formel-1-Strategie mit attraktiven Zielorten passen könnte. „Das ist vielleicht nicht der beste Ort der Welt. Hoffen wir, dass es nicht bei schönen Worten bleibt“, sagte er.
Genau daran wird sich der neue dänische Grand-Prix-Anlauf messen lassen: ob aus einem ambitionierten Streckenprojekt mit klarer Formel-1-Perspektive tatsächlich ein Grade-1-Kurs wird, der nach dem gescheiterten Kopenhagen-Versuch eine realistische Basis für einen WM-Lauf schafft.
© Jonathan Borba