Christian Horner hat seine erste offizielle Position seit dem Aus bei Red Bull bestätigt und ist bei Oakley Capital als Sonderberater für Investitionen in „Premium-Sport“ eingestiegen. Der Schritt beendet seine erste Phase außerhalb des Formel-1-Paddocks nach dem Ende seiner Garden-Leave-Zeit, deutet aber zugleich an, dass seine Rückkehr in die Serie weiter ein zentrales Ziel bleibt.
Oakley Capital teilte am Donnerstag mit, dass Horner die Firma bei ihrer Strategie im Premium-Sport beraten wird. Das Unternehmen ist in diesem Bereich bereits engagiert, unter anderem mit Beteiligungen an Athena Racing im Segelsport, an der Padel-Marke Nox und am Golfunternehmen Vice. Für Horner ist es damit die erste öffentlich bestätigte Aufgabe seit seinem Abschied von Red Bull in der vergangenen Saison.
In der Mitteilung von Oakley Capital stellte Horner die neue Rolle als Teil eines wachsenden Sportmarkts dar. Christian Horner sagte, Sportunternehmen profitierten „von wachsenden globalen Zuschauerzahlen und Teilnahmequoten, da sich immer mehr Menschen für einen gesünderen, aktiven Lebensstil entscheiden“. Er fügte hinzu, er freue sich darauf, mit Oakley zusammenzuarbeiten und „meine Erfahrung einzubringen, um die nächste Generation herausragender Sportunternehmen zu unterstützen“.
Dass Horner nun zunächst im Investmentgeschäft auftaucht und nicht direkt bei einem Team, ist nur ein Teil der Geschichte. Mehrere Berichte verbinden ihn weiter mit einem Weg zurück in die Formel 1. Dabei geht es zum einen um Gespräche über den 24-Prozent-Anteil an Alpine, den Otro Capital verkaufen will. Zum anderen bleibt Horner mit dem chinesischen Hersteller BYD in Verbindung gebracht, der als möglicher Kandidat für ein künftiges zwölftes Team gilt.
Gerade deshalb ist die neue Oakley-Rolle im Motorsport-Kontext mehr als nur ein Seitenwechsel. Sie verschafft Horner nach seinem Rauswurf bei Red Bull wieder eine öffentliche Plattform, ohne dass er sich bereits auf ein konkretes Formel-1-Projekt festlegt. Statt sofort wieder in einer operativen Teamfunktion aufzutauchen, positioniert er sich zunächst in einem Bereich, in dem strategische Kontakte, Kapital und Sportvermarktung zusammenlaufen.
Sein Gewicht in der Branche erklärt, warum diese Personalie über die Private-Equity-Welt hinaus Aufmerksamkeit erzeugt. Horner wurde 2005 bei Red Bull zum jüngsten Teamchef der Formel-1-Geschichte und führte das Team in 20 Jahren zu 124 Grand-Prix-Siegen, acht Fahrertiteln mit Sebastian Vettel und Max Verstappen sowie sechs Konstrukteursmeisterschaften. Diese Bilanz macht ihn zu einer der einflussreichsten Führungspersonen der modernen Formel 1, auch wenn seine neue Aufgabe zunächst außerhalb der Startaufstellung liegt.
Für die Formel 1 ist deshalb weniger entscheidend, dass Horner jetzt bei Oakley Capital berät, sondern was diese Zwischenstation über seinen nächsten Schritt verrät. Mit dem Ablauf seiner Garden Leave und den anhaltenden Verbindungen zu Alpine und BYD wirkt der Einstieg bei Oakley eher wie der Beginn einer neuen öffentlichen Phase als wie ein endgültiger Abschied vom Grand-Prix-Sport.
© Jonathan Borba