Carlos Sainz ist nach dem Grand Prix von Großbritannien von Platz 12 auf Platz 17 zurückgestuft worden, nachdem die FIA-Kommissare eine nachträgliche Strafrunde verhängt hatten, weil sich Williams hinter dem Safety Car zurückrundete, obwohl Auto 55 dazu nach Artikel B5.13.4 c) nicht berechtigt war.
Der Kern des Falls lag in einer ungewöhnlichen Zeitnahme-Situation am Ende des 52-Runden-Rennens in Silverstone. Die Kommissare erklärten, dass Wagen 55 beim Einfahren in die Boxengasse an der Safety-Car-Linie 1 zwar eine Runde Rückstand hatte, durch die spezielle Strecken- und Boxengassen-Konfiguration in Silverstone aber vorübergehend wieder in derselben Runde lag, als er am Ende dieser Runde die Linie überquerte. Damit war Sainz zum maßgeblichen Zeitpunkt im Sinne von Artikel B5.13.4 c) kein überrundetes Fahrzeug, als die Meldung „LAPPED CARS MAY NOW OVERTAKE“ angezeigt wurde.
Trotzdem rundete sich Auto 55 nach Anzeige dieser Meldung zurück. Die Kommissare hielten zudem fest, dass Sainz nach Abschluss seines Boxenstopps beim Zurückkehren auf die Strecke erneut ein überrundetes Auto war. Genau diese Abfolge machte den Vorfall so ungewöhnlich. Zugleich räumten die Stewards ein, dass der „außergewöhnliche Streckenverlauf bei dieser Veranstaltung“ zur Verwirrung des Teams beigetragen haben könnte.
Der Williams-Teamvertreter gestand laut Entscheidung zwei Fehler ein. Zum einen habe das Team nicht erkannt, dass Fahrzeug 55 am relevanten Bezugspunkt nach Artikel B5.13.4 c) kein überrundetes Fahrzeug war. Zum anderen habe man übersehen, dass Auto 55 nicht in der Mitteilung der Rennleitung aufgeführt war, die die zum Überholen des Safety Cars berechtigten Fahrzeuge nannte. Der Teamvertreter akzeptierte außerdem, dass Williams „versehentlich eine Runde gewonnen hatte, obwohl es dazu nicht berechtigt war“.
Bei der Strafzumessung beriefen sich die Kommissare auf Artikel 12.4.1.i des Internationalen Sportgesetzbuchs der FIA. Sie erklärten, dass eine Strafrunde zu den verfügbaren Sanktionen gehöre und unter den Umständen dieses Falls „die am besten geeignete Strafe“ sei. Für Sainz bedeutete das die Rückstufung von P12 auf P17 und damit eine deutlich schlechtere Endplatzierung nach einem ohnehin chaotischen Safety-Car-Finale.
© Jonathan Borba