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Cadillac: GM machte das F1-Team erst rennbereit

Cadillac hat den Aufbau seines neuen Formel-1-Teams für 2026 nach eigenen Angaben vor allem deshalb in der kurzen verfügbaren Zeit geschafft, weil General Motors sofort nutzbare Simulatoren, Software, Modelle und Engineering-Ressourcen aus seinem bestehenden Motorsportnetzwerk bereitstellte.

Der entscheidende Hebel war dabei nicht ein erst noch zu errichtender F1-Standort, sondern das bereits 2022 eröffnete GM Charlotte Technical Center in Concord, North Carolina. Die 130.000 Quadratfuß große Anlage auf dem Hendrick-Motorsports-Campus verfügt über Driver-in-the-Loop-Simulatoren sowie Programme und Werkzeuge für Aerodynamik- und Fahrwerksanalyse. Für Cadillac war das der schnellste Weg, um arbeitsfähig zu werden, während die neue Zentrale in Fishers, Indiana, noch im Aufbau ist.

Das war wichtig, weil Cadillac unter ungewöhnlichem Zeitdruck stand. Das Projekt musste ein komplett neues Team über mehrere Standorte aufbauen, Hunderte Mitarbeiter einstellen und rechtzeitig für den Saisonstart 2026 Anfang März in Australien einsatzbereit sein. Dazu kam, dass viele Beschäftigte an Bord kamen, bevor überhaupt endgültig feststand, dass das Team einen Platz im Feld erhalten würde.

Wie stark GM diesen Rückstand verkürzte, zeigt Cadillacs internes Vorbereitungsprogramm. Im „Race Ready“-Projekt simulierte das Team mehrere Grands Prix der Saison 2025 in Echtzeit so, als wäre es bereits ein virtuelles elftes Team im Feld. Dabei ging es nicht nur um Runden im Simulator, sondern um komplette Rennabläufe mit Strategieentscheidungen, Datenverarbeitung, Einsatzkoordination und Engineering-Prozessen. Eingesetzt wurden dafür unter anderem Simon Pagenaud, Pietro Fittipaldi und Charlie Eastwood als Simulatorfahrer.

Pat Symonds, leitender Engineering-Berater von Cadillac, machte die Bedeutung dieser Struktur in einem Interview mit Motorsport.com deutlich: „Ohne die GM-Einrichtung in Charlotte im vergangenen Jahr wären wir jetzt wirklich nicht hier.“ Das Team habe den Simulator für Proben „wie ein Rennauto“ betrieben, sagte er, und genau das sei „unbezahlbar“ gewesen. Symonds sagte auch, Cadillac wäre ohne diese Arbeit bei weitem nicht so rennbereit.

Auch hinter den Kulissen reicht GMs Beitrag deutlich weiter als reine Infrastruktur. Cadillac nutzt bereits von GM entwickelte Software und das Datenbanksystem Race Vehicle Gateway, das als zentrale Ablage für Fahrzeugdaten dient und schon vor dem F1-Einstieg existierte. Dazu kommen Rechenmodelle, Unterstützung bei Thermomodellierung und Arbeit im Bereich künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen.

Die technische Hilfe beschränkt sich dabei nicht auf Simulatorbetrieb. James Knapton, Cadillacs Head of Performance Analysis, sagte, das Team habe durch GM von Beginn an Zugriff auf Simulationstools, Modelle, Solver und einen Simulator gehabt, den man sehr schnell nutzen konnte. Ohne GM, so Knapton, hätte es „zwei oder drei Jahre“ gedauert, vergleichbare Werkzeuge auf funktionierendem Niveau aufzubauen. Dieser Vorsprung sei ein unmittelbarer Startvorteil gewesen.

Auch bei Spezialthemen wie Reifen und Aerothermik greift Cadillac auf vorhandenes Know-how zurück. Symonds bezeichnete Dr. Heather Bobbitt, Cadillacs Leiterin für Reifenwissenschaft und zugleich GM-Mitarbeiterin, als „wahrscheinlich die beste Reifenspezialistin, mit der ich je gearbeitet habe“. Nach Angaben des Teams helfen zudem bestehende GM-Kompetenzen bei Rig-Tests, bei der Aerodynamik der Bremsbelüftungen und bei aerothermischen Kühlungsmodellen.

Für GM ist das Projekt zugleich keine Einbahnstraße. Eric Warren, Vizepräsident von GM Global Motorsports Competition, sagte, der Wert der Formel 1 liege auch in der schieren Datenmenge am Auto. Mehr Daten, mehr Ingenieure und mehr Analyse würden helfen, Werkzeuge schneller zu entwickeln. Genannt werden dabei vor allem Korrelation in Echtzeit, große Datenmengen, Cloud-Management sowie hochdichte Sensoranalyse.

Damit wird Cadillacs Einstieg als langfristiger Aufbau erkennbar und nicht als bloßes Branding-Projekt. Während das Team seine ersten Schritte mit Ferrari-Kundentriebwerken macht, soll in Fishers ein neuer High-End-Simulator Anfang 2027 online gehen. Parallel arbeitet Cadillac an einem eigenen Antrieb mit Zieljahr 2029. Der eigentliche Wettbewerb beginnt für das neue Team damit nicht erst auf der Strecke, sondern im Tempo, mit dem es diese Infrastruktur in echte Performance umwandeln kann.