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BYD lotet F1-Einstieg aus, doch Hürden bleiben hoch

BYD hat Gespräche über einen Einstieg in die Formel 1 bestätigt, doch über eine frühe Prüfphase hinaus wirkt das Projekt derzeit schwer umzusetzen. Berichte von PlanetF1.com und Motorsport zeichnen das Bild eines Herstellers, der offen Interesse zeigt, aber auf einen Markt trifft, in dem weder der Kauf eines bestehenden Teams noch ein neuer zwölfter Startplatz leicht erreichbar sind.

Stella Li, Executive Vice President von BYD und CEO für Amerika, Europa und den Nahen Osten, machte das Interesse des Konzerns deutlich. „We are always in close contact“, sagte sie über den Austausch mit der Formel 1. „I like Formula 1 because it’s about passion and culture, and people dream of being in Formula 1.“ Li bestätigte zudem, dass BYD einen Startplatz „diskutiert“, um die eigene Technologie „auf die Probe zu stellen“.

Nach Angaben von Motorsport liefen nach ersten Gesprächen rund um den Großen Preis von China weitere Kontakte, unter anderem mit erwarteten Treffen am Monaco-Wochenende mit Formel-1-Verantwortlichen. Gleichzeitig wurde der Stand der Gespräche dort als „still in a very early fact-finding stage“ und „far removed from any decisions“ beschrieben. Das passt zu dem Eindruck, dass BYD zwar Optionen sondiert, aber noch keinen klaren Umsetzungsweg gefunden hat.

Das größte Problem ist der Zugang zum Grid. Laut Motorsport haben zuletzt mehrere Investmentfonds und ein großer Automobilkonzern Übernahmeangebote von mehr als zwei Milliarden Dollar bei bestehenden Teams abgegeben und dennoch nur ein höfliches „no, thank you“ erhalten. Das unterstreicht, wie stark sich die Machtverhältnisse verschoben haben: Formel-1-Teams gelten als so wertvoll, dass selbst sehr hohe Offerten aktuell kaum Bewegung auslösen.

Damit bleibt für einen Hersteller wie BYD zwar theoretisch auch der Weg über einen komplett neuen Einstieg, doch auch dieser erscheint kaum einfacher. Motorsport verwies darauf, dass die Formel 1 das Cadillac-GM-Projekt erst nach einem langen Verfahren aufgenommen hat. Dazu kommen praktische Grenzen an Rennstrecken wie Monaco oder Montreal, wo sich das Fahrerlager nicht beliebig vergrößern lässt. Aus dem Paddock in Montreal hieß es dem Bericht zufolge, der Zeitpunkt für ein zwölftes Team wirke „noch nicht richtig“, obwohl das Reglement ein Feld von bis zu zwölf Teams zulässt.

PlanetF1.com berichtete parallel, dass Li mit Formel-1-Chef Stefano Domenicali gesprochen hat und vor dem Kanada-Wochenende auch Christian Horner traf. Eine mögliche Rolle Horners bleibt aber ebenso offen wie andere denkbare Konstruktionen rund um Beteiligungen oder technische Unterstützung. Klarer ist nur die Richtung: BYDs Priorität soll darin liegen, ein eigenes Team auf die Beine zu stellen, statt sich nur an einem bestehenden Projekt anzuhängen.

Genau darin liegt die zentrale Spannung für den Konzern. BYD hat die Größe und das öffentliche Interesse, um in der Formel 1 sofort als ernsthafter Bewerber wahrgenommen zu werden. Im aktuellen Marktumfeld entscheidet aber nicht allein der Wille zum Einstieg, sondern ob überhaupt ein gangbarer Platz frei wird. Solange kein Team verkauft und ein zwölfter Startplatz als verfrüht gilt, bleibt BYDs Formel-1-Offensive vor allem ein ambitioniertes Signal mit ungewissem Weg ins Starterfeld.