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Binotto fordert ADUO-Neubewertung durch die FIA

Audi-Projektchef Mattia Binotto hat die FIA aufgefordert, die ADUO-Regeln für Power-Unit-Nachbesserungen zu überdenken, nachdem Mercedes trotz eines der offenbar stärksten V6-Motoren der Saison 2026 zusätzliche Entwicklungsfreiheit erhielt.

Der Kern von Binottos Kritik ist, dass die Einstufung allein über die auf der Strecke sichtbare V6-Performance erfolgt. Im Gespräch mit Motorsport Italia sagte Binotto, ein solches System könne das tatsächliche Potenzial eines Antriebs verzerren. „Was die Ergebnisse betrifft, stelle ich die Arbeit der FIA nicht infrage. Sie verfügt über alle nötigen Werkzeuge und Daten für ihre Bewertungen, trotz der Grenzen, die jedes Messsystem zwangsläufig mit sich bringt“, sagte der Audi-Manager. Zugleich betonte er: „Meiner Meinung nach lag die Grenze darin, ausschließlich die auf der Strecke gezeigte Leistung zu messen.“

Gerade das hält er im Fall Mercedes für problematisch. Ein Auto mit einem Gesamtvorteil müsse sein Triebwerk nicht zwangsläufig bis ans Limit nutzen. „Ein Auto, das insgesamt im Vorteil ist, kann es sich leisten, das Potenzial seiner Power Unit nicht vollständig auszuschöpfen“, sagte Binotto. „Es ist zum Beispiel möglich, dass Mercedes einen Motor mit überlegenem Potenzial hatte, ihn aber nicht bis ans Limit nutzen musste, weil bereits durch das Auto ein Vorteil vorhanden war. Wenn das so war, hätte man sich damit sogar zusätzlichen Entwicklungsspielraum verschaffen können.“

Der Einwand wiegt besonders schwer, weil Mercedes laut den vorliegenden Angaben zu den Herstellern gehörte, die unter ADUO zusätzliche Upgrades erhalten durften, obwohl der Mercedes-V6 2026 weithin als einer der stärksten gilt. Dazu kommt, dass das Werksteam sieben der ersten neun Grands Prix gewann.

Binotto argumentiert, dass das System sich damit von seinem ursprünglichen Zweck entfernt habe. ADUO sei anfangs als eine Art Sicherheitsnetz gedacht gewesen, um zu verhindern, dass ein Hersteller bei nahezu eingefrorenen Regeln und sehr begrenztem Entwicklungsspielraum einen frühen Rückstand über einen kompletten Fünfjahreszyklus mitschleppt. Sein Punkt ist nicht, dass die FIA falsch gerechnet habe, sondern dass das Regelwerk den falschen Maßstab anlegt.

Hinzu kommt ein weiterer Konstruktionsfehler, den Binotto kritisch sieht. Die Vergabe der Upgrade-Tokens richtet sich danach, wie viel Leistung einem V6 fehlt, und zwar in Schritten von jeweils 2 Prozent. Wer sich dadurch für zusätzliche Entwicklung qualifiziert, kann danach jedoch praktisch die gesamte Power Unit überarbeiten, einschließlich der Hybridkomponenten. Nach Binottos Lesart eröffnet das die Möglichkeit, die Gesamtleistung des Antriebs deutlich zu verbessern, ohne dass zwingend spezifische V6-Mehrleistung sichtbar werden muss.

Während Mercedes zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten erhielt, stufte die FIA den Red Bull Ford Powertrains V6 als Benchmark ein. Damit war Red Bull über den eingeschränkten Homologationsrahmen hinaus von weiteren Verbesserungen ausgeschlossen. Daran änderten auch Einwände des Teams und zusätzliche Überprüfungen durch die FIA nichts.

„Deshalb glaube ich, dass das Reglement in diesem Punkt neu gedacht werden muss“, sagte Binotto. „Das war nicht die ursprüngliche Absicht von ADUO: Das Ziel war, jenen zu helfen, die wirklich zurückgefallen waren, und nicht Situationen zu schaffen, in denen das wahre Potenzial einer Power Unit nur schwer zu bewerten ist.“