Oliver Bearman reist mit deutlich weniger unmittelbarem Sperrendruck zum Kanada-Grand-Prix, denn zwei FIA-Strafpunkte aus Monaco verfallen an diesem Wochenende und senken sein Konto bei Haas von 10 auf 8 Punkte.
Nach dem Reglement führt ein Stand von 12 Strafpunkten innerhalb von zwölf Monaten automatisch zu einer Rennsperre über ein Wochenende. Bearman war in Montreal deshalb besonders unter Beobachtung, nachdem sich seine Punkte aus Vorfällen in Monaco, Silverstone, Monza, Sao Paulo und Abu Dhabi angesammelt hatten.
Die nun gestrichenen zwei Punkte stammen vom 23. Mai 2025, als Bearman im Training in Monaco Carlos Sainz unter roter Flagge überholte. Der nächste größere Schritt aus der Gefahrenzone folgt am 5. Juli, wenn vier weitere Punkte aus Silverstone wegfallen.
Ganz entspannt ist die Lage für Bearman trotzdem noch nicht. Mit acht Punkten bleibt er der Fahrer mit den meisten Strafpunkten im Feld, auch wenn der unmittelbare Bann für Montreal vom Tisch ist.
Sportlich kommt das für den Briten zu einem wichtigen Zeitpunkt. Nach einem starken Saisonbeginn, der ihn zwischenzeitlich bis auf Rang fünf der Meisterschaft gebracht hatte, verlor er zuletzt an Schwung. Ein Unfall in Suzuka und ein punkteloses Wochenende in Miami bremsten diese Entwicklung.
Haas hofft nun in Montreal mit einem Update wieder Boden gutzumachen. Oliver Bearman, Haas-Fahrer, sagte mit Blick auf den Kanada-Einsatz: „Die anderen haben in Miami einen großen Schritt gemacht, und hoffentlich können wir diesen Schritt auch gehen, um für das Wochenende in Montreal wieder da anzuknüpfen, wo wir eigentlich waren.“
Bearman sieht dabei vor allem Alpine derzeit vor Haas. „Sie haben ihre Konkurrenzfähigkeit echt verbessert“, sagte er. Realistisch sei der französische Rennstall „einen Schritt vor uns“, auch wenn bei Haas „viel in der Pipeline“ sei, um den Abstand zu verkleinern.
Für Bearman geht es in Kanada damit um zwei Dinge zugleich: Er hat vorerst Luft im Strafpunktekonto, muss aber ein schwieriger gewordenes Mittelfeldduell wieder für sich drehen. „Das Mittelfeld rückt extrem eng zusammen. Es ist wirklich sehr, sehr eng, wie es im Mittelfeld eben immer ist.“ Mit dem Update in Montreal und vier weiteren Punkten, die Anfang Juli verfallen sollen, könnte sich seine Lage sportlich und regeltechnisch in kurzer Zeit deutlich entspannen.
© Jonathan Borba