Audi steht laut RacingNews365 kurz davor, im Zuge seines jüngsten Führungsumbaus einen neuen Renndirektor zu benennen, wobei Allan McNish vor dem Grand Prix von Miami als Favorit auf die neu geschaffene Rolle gilt.
Der Schritt ist eine direkte Reaktion auf den überraschenden Abgang von Jonathan Wheatley Ende März. Wheatley hatte den Posten des Teamchefs aus „persönlichen Gründen“ verlassen, woraufhin Mattia Binotto die Aufgaben zusätzlich übernahm. Beim Japan-Wochenende deutete Binotto bereits an, dass er künftig Unterstützung brauche, vor allem an Rennwochenenden.
Genau dafür soll nun die neue Position geschaffen worden sein. Nach Informationen von RacingNews365 soll der Renndirektor die Renneinsätze des Teams führen, die Rennwochenenden koordinieren und auch bei Medienauftritten eine prominente Rolle übernehmen. Das würde Binotto entlasten, der derzeit mehrere Aufgaben bündelt: Er ist CEO, Teamchef und verantwortet auch das Motorenprojekt in Neuburg.
Audi hatte dem Bericht zufolge den Markt sondiert, will die Stelle nun aber intern besetzen. Als möglicher Kandidat wurde auch Sportdirektor Iñaki Rueda genannt, nicht zuletzt wegen seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Binotto aus gemeinsamen Ferrari-Zeiten. Nach Informationen von RacingNews365 soll die Wahl jedoch auf McNish fallen.
Der 56-jährige Schotte ist einer der bekanntesten Namen im Audi-Kosmos. McNish gewann dreimal die 24 Stunden von Le Mans, war früher Teamchef von Audis Formel-E-Team und leitet aktuell das Fahrerentwicklungsprogramm der Marke. Im Fahrerlager gilt er laut dem Bericht als vielseitige und verlässliche Figur mit engen Verbindungen zur Audi-Führung.
Eine Bestätigung steht noch aus. Ein Audi-Sprecher sagte auf Anfrage von RacingNews365: „We don’t comment on speculation.“ Nach einem weiteren Bericht antwortete der Hersteller auf dieselbe Thematik mit: „We respond not to speculations.“
Die erwartete Ernennung wäre der nächste Einschnitt in einer Führungsebene, die seit Audis Formel-1-Ankündigung beim Belgien-Grand-Prix 2022 mehrfach umgebaut wurde. Nach der Übernahme von Sauber wurde das Projekt zunächst von Andreas Seidl und Oliver Hoffmann geführt, die beide im Sommer 2024 ausschieden. Danach kam Binotto als CEO, später folgte Wheatley als Teamchef, der den Posten wiederum nach weniger als einem Jahr verließ.
Gerade deshalb ist die neue Besetzung mehr als nur eine organisatorische Detailfrage. Audi ist erst drei Rennen in seine erste Formel-1-Saison als Werksteam gestartet, hat nach dieser frühen Phase zwei Punkte auf dem Konto und liegt auf Rang acht der Konstrukteurswertung. Mit einem Renndirektor an Binottos Seite versucht das Team nun, in einer entscheidenden Aufbauphase wieder klarere Zuständigkeiten an der Strecke zu schaffen.
© Spencer