Nach einem von Feuer, Disqualifikation, Brems- und Antriebsproblemen geprägten Miami-Wochenende steht Audi in seiner ersten Formel-1-Saison 2026 sportlich wie kommunikativ unter wachsendem Rechtfertigungsdruck.
Der unmittelbare Schaden auf der Strecke war deutlich. Nico Hülkenberg konnte den Sprint nach einem Leck und dem folgenden Feuer auf dem Weg in die Startaufstellung gar nicht erst aufnehmen. Gabriel Bortoleto kam zwar als Elfter ins Ziel, wurde aber wegen zu hohen Ansaugdrucks ausgeschlossen. Vor dem Qualifying musste Audi dann bei beiden Autos die Getriebe wechseln, bei Hülkenberg zusätzlich die Power Unit. Bortoleto fiel im Qualifying nach einem Bremsproblem bis auf Startplatz 22 zurück, Hülkenberg schied im Grand Prix nach sieben Runden aus. Bortoleto blieb als Zwölfter mit einer Runde Rückstand und 13 Sekunden Abstand auf die Punkteränge das einzige klassierte Audi-Ergebnis des Wochenendes.
Dass daraus mehr wurde als nur ein schlechtes Rennwochenende, liegt an der Vorgeschichte. Hülkenberg war bereits in Australien vor dem Start mit einem technischen Defekt ausgefallen, Bortoleto konnte in Shanghai wegen eines Hydraulikproblems nicht starten. Nach der dritten Nullnummer in Folge liegt Audi in der Konstrukteurswertung nur auf Rang neun. Die einzigen zwei Punkte des Jahres stammen weiter aus Bortoletos neunten Platz beim Saisonauftakt in Melbourne. Insgesamt hat das Team erst 331 von 524 möglichen Rennrunden absolviert.
Entsprechend scharf fiel die Reaktion von außen aus. Ralf Schumacher, Sky-Experte im Podcast „Backstage Boxengasse“, nannte die aktuelle Arbeit des Teams „nicht gut, was die da machen im Moment“. Ihn störten nicht nur die Defekte selbst, sondern vor allem der Umgang damit. „Auch die Kommunikation [ist] einfach eine Katastrophe“, sagte er und warf Audi vor, aus Problemen „zu oft ein großes Geheimnis“ zu machen. Schumacher stellte auch das Auftreten des Projekts infrage: „Ich weiß nicht, wo das Selbstbewusstsein von Audi daherkommt, dass man da so schlecht kommuniziert.“ Offen und ehrlich mit Rückschlägen umzugehen, wäre aus seiner Sicht glaubwürdiger.
Auch Timo Glock kritisierte die Fehlerquote. Im Rahmen der Sky-Übertragung in Miami sagte er: „Das kann man sich natürlich nicht erlauben. Klar, das ist das erste Jahr, darf man auch nicht vergessen. Aber trotzdem: Man muss diese Fehlerquote deutlich minimieren.“ Sky-Kommentator David Croft sprach mit Blick auf die wiederholten Startprobleme sogar von „ein bisschen peinlich“ und verwies darauf, dass Audi nun in drei von fünf Rennen schon vor dem Grand Prix mindestens ein Auto verloren habe.
Audi-Renndirektor Allan McNish hielt der Kritik an der internen Zusammenarbeit und Kommunikation jedoch klar entgegen. „Die Struktur ist gut aufgestellt und sehr standfest. Sicherlich müssen wir in einigen Bereichen nachholen, aber ich würde nicht sagen, dass die Kommunikation ein Problem darstellt“, sagte er nach dem Wochenende. Den bisherigen Verlauf ordnete er als typische Anlaufphase eines neuen Projekts ein: „Es kann nur besser werden, oder? Am Ende des Tages hat dieses Projekt wortwörtlich zu Jahresbeginn angefangen, das sind bislang vier Monate.“
McNish bestritt die Schwierigkeiten nicht, relativierte sie aber mit Verweis auf die neue Regelära und die Lage anderer Hersteller. „Natürlich möchte man sowas nicht haben“, sagte er. „Aber viele andere Power-Unit-Hersteller haben ähnliche Probleme. Das ist nicht nur bei uns ein Thema. Es gibt viele Bereiche, die wir alle managen und darüber lernen müssen.“ Audi lerne als neuer Hersteller über mehr Themen gleichzeitig als etablierte Konkurrenten, betonte er. Für Hülkenbergs Sprint-Ausfall nannte er ein Leck als Ursache, das man zunächst für behoben gehalten habe. Das spätere Rennen des Deutschen endete laut McNish wegen einer Überhitzung im Antriebsstrang, die wahrscheinlich nicht mit den vorherigen Problemen zusammenhing.
Gerade deshalb bleibt für Audi das Kernproblem nicht die Einzelfehleranalyse, sondern die Summe der Rückschläge. McNish räumte selbst ein, worauf sich nun alles konzentrieren muss: „Wir brauchen Zuverlässigkeit. Danach können wir auch andere Bereiche weiterentwickeln.“ Drei Rennen mit Startausfällen, nur zwei Punkte und eine stark verkürzte Laufleistung in der Frühphase der Saison zeigen, wie viel Audi nicht nur an Resultaten, sondern auch an wertvoller Lernzeit verliert.
© Jonathan Borba