Das Debüt des massiv überarbeiteten Aston Martin AMR26B ist im ersten Freien Training zum Ungarn-Grand-Prix sofort von einem Defekt überschattet worden: Lance Stroll verlor nach 11 Runden zwischen Kurve 2 und 3 mutmaßlich die linke Hinterradaufhängung, drehte sich heftig und löste damit die rote Flagge aus.
Gerade deshalb wiegt der Zwischenfall in Budapest besonders schwer. Aston Martin hatte zum Hungaroring seinen ersten großen Entwicklungsschritt einer bislang enttäuschenden Saison gebracht und 16 neue Teile gemeldet, darunter auch eine für dieses Wochenende geänderte Hinterradaufhängung. Das neue Auto sollte die erste echte Standortbestimmung liefern, nachdem der Rückstand zuletzt bei rund vier Sekunden pro Runde gelegen hatte und das Team in den vorangegangenen Rennen sogar mehr als eine Sekunde hinter Cadillac eingeordnet wurde.
Strolls Ausfall kam mit noch gut 20 Minuten Restzeit. Beim Herausbeschleunigen aus Kurve 2 brach das Auto am Heck weg, der Kanadier fing den Dreher zwar noch auf der asphaltierten Auslaufzone von Kurve 3 ab, musste den Aston Martin dort aber abstellen. Seine Session war damit beendet. In der Zeitenliste blieb er nach nur 11 Runden auf Platz 21 mit 1:23,471 Minuten.
Aston Martin erklärte anschließend knapp: „Lance musste das Auto wegen eines vermuteten Problems an der linken Hinterradaufhängung abstellen.“
Der Zwischenfall machte die ersten positiven Anzeichen des neuen Pakets nicht wertlos, setzte sie aber sofort unter Vorbehalt. Fernando Alonso wurde nach der Wiederaufnahme der Session unmittelbar wieder auf die Strecke geschickt. Der Spanier mied die Kerbs, meldete im Verlauf der Einheit Vibrationen und kam auf 1:21,550 Minuten. Das reichte zu Rang 13, 2,475 Sekunden hinter der Spitze. Für Aston Martin war das ein deutlich besserer Abstand als an den jüngsten Wochenenden, auch wenn FP1 auf dem Hungaroring noch kein belastbarer Beleg für die wahre Performance des AMR26B ist.
Damit richtet sich der Blick zum Auftakt in Budapest vor allem auf die Zuverlässigkeit des neuen Pakets. Die entscheidende Frage ist nach diesem ersten Training weniger, ob Aston Martin einen Schritt nach vorn gemacht hat, sondern ob Strolls Schaden ein Einzelfall war oder ein strukturelles Risiko des AMR26B andeutet, das den weiteren Verlauf des Wochenendes unmittelbar prägen würde.
© Jonathan Borba