TT Circuit Assen hat bereits eine FIA-Grade-1-Lizenz beantragt, um sich als möglicher Nachfolger von Zandvoort für einen künftigen Formel-1-Grand-Prix in den Niederlanden in Stellung zu bringen. Zugleich betonen die direkt Beteiligten, dass ein Rennen damit noch lange nicht gesichert ist.
Ausgelöst wurde die neue Debatte durch Aussagen von Sportmarketing-Persönlichkeit Chris Woerts in der niederländischen TV-Sendung Vandaag Inside, wonach die Formel 1 „zu 100 Prozent sicher“ in zwei bis drei Jahren nach Assen komme. Lee van Dam, Sportpromoter mit enger Verbindung zu den Aktivitäten am TT Circuit, fiel diese Darstellung deutlich vorsichtiger aus. Er verwies darauf, dass Assen schon 2018 und 2019 an einem Formel-1-Projekt gearbeitet habe, damals aber „Zandvoort schlicht die besseren Papiere“ hatte.
Van Dam sagte, Assen verfüge derzeit noch nicht über die zwingend notwendige Grade-1-Lizenz. Dafür müsse zunächst eine FIA-Inspektion stattfinden, danach wären Anpassungen an der Strecke nötig. Erst dann könne Assen auf eine Reserveliste kommen und möglicherweise für einen einmaligen Grand Prix oder einen Platz in einem Rotationsmodell infrage kommen. „Das wird sicher noch ein paar Jahre dauern“, sagte van Dam.
Damit deckt sich seine Einschätzung mit der Linie der Strecke selbst. Das Management von Assen erklärte, die Grade-1-Anfrage sei bereits Anfang dieses Jahres an die FIA gegangen. Streckendirektor Mark van Aalderen stellte klar, dass es dabei nur um die technische Voraussetzung gehe, um für die Formel 1 überhaupt infrage zu kommen, falls sich nach dem Abschied von Zandvoort eine Gelegenheit ergibt.
„Das sind wirklich zwei verschiedene Fragen. Das eine ist, die Anlagen der Strecke in einen geeigneten Zustand zu bringen. Das geht nur, wenn man Grade 1 erreicht. Genau das tun wir jetzt“, sagte Mark van Aalderen, Streckendirektor des TT Circuit Assen. Er ergänzte, dass Assen die FIA gebeten habe mitzuteilen, was für die Anhebung auf dieses Niveau erforderlich sei. Für die Austragung eines Grand Prix brauche es aber darüber hinaus „eine andere Partei“, die ein solches Event organisiert und finanziert, und das gebe es derzeit noch nicht.
Van Dam verwies zugleich auf positive Signale von Liberty Media. Beim TT in Assen seien hochrangige Vertreter vor Ort gewesen und hätten gesehen, „wie gut die Organisation steht und wie ein Wochenende mit 250.000 Besuchern verarbeitet wird“. Das habe Vertrauen geschaffen, dass die Formel 1 in Assen organisatorisch „in guten Händen“ sein könnte.
Selbst wenn die FIA-Homologation gelingt, bleibt das Projekt damit vor allem eine Vorbereitung auf eine mögliche Chance. Van Dam sagte, die Struktur für den Fall eines grünen Lichts liege weitgehend bereit: Eine Stiftung namens „Formule 1 Assen“ soll mitorganisieren, während der TT Circuit als operativer Partner auftreten würde. Entscheidend ist aber, dass Assen sich derzeit erst die formalen und technischen Voraussetzungen erarbeitet, während ein tatsächlicher niederländischer Grand Prix nach Zandvoort weder beschlossen noch finanziert ist.
© Jonathan Borba