Alpine hat nach dem Grand Prix von Österreich eingeräumt, dass dem Team am Red Bull Ring schlicht die Geschwindigkeit für den Kampf um Punkte fehlte, nachdem Pierre Gasly nur 13. und Franco Colapinto 15. wurde und das Wochenende intern als das bislang schwierigste der Saison bewertet wurde.
Die Sorge in Enstone geht dabei über das reine Ergebnis hinaus. Sportdirektor Steve Nielsen sagte, Alpine habe an diesem Wochenende "nicht das Tempo gehabt, um wirklich konkurrenzfähig zu sein" und sei "beim Fallen der Zielflagge nicht in der Position gewesen, um um Punkte zu kämpfen". Besonders auffällig war, dass beide Fahrer beim Start unter demselben Problem litten. Nielsen sprach von "langsamen Starts wegen fehlenden Boosts", obwohl die Starts in diesem Jahr eigentlich zu den Stärken des Teams gehört hatten.
Für Colapinto ruinierte genau das das Rennen schon auf den ersten Metern. Der Alpine-Pilot war als 16. gestartet, fiel aber sofort ans Ende des Feldes zurück. Danach machte er klar, dass nicht ein Kontakt, sondern ein technisches Problem dahinterstand. Franco Colapinto, Alpine-Fahrer, sagte ESPN: "Mich hat niemand berührt, das Auto blieb beim Start stehen, noch bevor ich losfuhr, hatte ich keine Leistung mehr. Als ich die erste Kurve erreichte, hatte ich wieder keinen Schub. Wir müssen untersuchen, was passiert ist, denn solche Dinge dürfen nicht passieren."
Damit war sein Nachmittag praktisch von Beginn an beschädigt, doch auch ohne den verpatzten Start fehlte Alpine die Grundlage für eine Aufholjagd. Colapinto sprach von einem insgesamt schwierigen Wochenende ohne Rhythmus und ohne Grip. Das Team habe kein gutes Balancefenster gefunden, und die hohen Asphalttemperaturen hätten vor allem die Hinterreifen stark belastet. Sein Grundtempo auf frischen Reifen sei ordentlich gewesen, danach sei die Leistung im Stint aber stark eingebrochen. Je mehr das Auto rutschte, desto heißer seien die Reifen geworden.
Gasly schilderte ein fast identisches Bild auf der anderen Seite der Garage. Der Franzose, der von Platz 11 gestartet war, bezeichnete das Rennen als "wahrscheinlich das schwierigste der Saison". Er klagte über mangelnden Grip, eine schlechte Fahrzeugbalance und hohen Reifenabbau. Die Reifen hätten sich so schnell abgenutzt, dass er auf drei Stopps gehen musste. Dazu kam auch bei ihm früh ein Leistungsproblem auf den Geraden, durch das er Positionen verlor und anschließend im Verkehr festhing. Selbst in freier Fahrt habe aber das Tempo gefehlt.
Dass Alpine in Barcelona unter warmen Bedingungen am Sonntag noch solide ausgesehen hatte, machte den Einbruch in Spielberg für das Team umso auffälliger. Gasly sagte, es sei klar, wo man sich verbessern müsse, und das Team werde nach Antworten suchen. Nielsen formulierte die Aufgabe noch direkter: Alpine müsse verstehen, warum Österreich passiert sei, und sicherstellen, dass es "ein Ausrutscher und kein Trend" war.
Viel Zeit bleibt dafür nicht. Schon in Silverstone steht das Sprint-Wochenende an, zugleich das Heimrennen des Enstone-Teams. Genau deshalb wiegt der Rückschlag in Österreich sportlich besonders schwer: Alpine muss nicht nur die Startprobleme untersuchen, sondern auch schnell erklären, warum Grip, Balance und Reifenmanagement an einem einzigen Wochenende so deutlich eingebrochen sind.
© Jonathan Borba