Vor dem Grand Prix von Österreich hat die FIA wegen prognostizierter Hitze von mehr als 31 Grad erstmals in dieser Saison einen Heat Hazard ausgerufen, doch Max Verstappen will die neue Kühlweste in Spielberg trotzdem nicht benutzen.
FIA-Rennleiter Rui Marques informierte die Teams am Donnerstagmorgen unter Verweis auf Artikel B1.5.10 des Reglements darüber, dass die Hitzewarnung für das Wochenende am Red Bull Ring gilt. Damit müssen alle Autos das Driver Cooling System an Bord haben, weil der offizielle Wetterdienst für das Rennen einen Heat Index von über 31,0 Grad Celsius erwartet. Für alle drei Tage sind zudem Temperaturen von mehr als 30 Grad vorhergesagt.
Das System ist eine direkte Folge der extremen Bedingungen beim Grand Prix von Katar 2023, als mehrere Fahrer medizinische Hilfe brauchten. In Spielberg kommt es nun zum ersten Einsatz der Saison, aber im Fahrerlager überwiegt zunächst nicht Zustimmung, sondern Skepsis.
Verstappen, viermaliger Weltmeister und Red-Bull-Fahrer, machte am Medientag klar, dass ihn die Hitze nicht besonders beschäftigt. „Es ist warm, aber es ist okay. Diese Autos sind körperlich nicht so anspruchsvoll zu fahren, also ist es für mich okay. Wir hatten schon öfter warme Rennen. Letztes Jahr war es hier auch warm. Für mich wird das nichts verändern“, sagte er. Die Weste selbst lehnt er ab: „Bevor ich ins Auto springe, habe ich immer so eine Eisweste an, aber all diese Kabel im Auto mag ich nicht.“
Genau darin liegt der Konflikt dieses Wochenendes. Die FIA erlaubt den Fahrern zwar, auf die eigentliche Weste zu verzichten, doch dann muss im Cockpit ein Ausgleichsgewicht von 0,5 Kilogramm eingebaut werden. Die übrigen Komponenten des Kühlsystems müssen trotzdem im Auto bleiben. Das heißt: Die Teams schleppen die Technik in jedem Fall mit, auch wenn der Fahrer den entscheidenden Teil des Systems ablehnt.
Isack Hadjar schlug in der offiziellen Pressekonferenz in Spielberg denselben Ton an wie sein Teamkollege. „Ich mag sie wirklich nicht, denn es sind einfach zu viele Schläuche, zu viele Dinge im Cockpit, und bequem ist es auch nicht. Sie funktioniert zwar ungefähr zehn Minuten lang wirklich gut, und dann wird sie wieder warm“, sagte er. Für Hadjar ist das nicht nur eine Komfortfrage. „Wenn ich sie brauche, bedeutet das, dass das Auto die Bedingungen auch nicht aushält und wir nicht fahren können. Ich glaube also, dass das Auto vor mir aufgeben wird.“
Die Vorbehalte gehen damit über bloße Gewöhnung hinaus. Fahrer kritisieren nicht nur den zusätzlichen Aufwand und die Schläuche im Cockpit, sondern auch, dass ein schlecht funktionierendes System den Effekt sogar umkehren kann. Gerade deshalb wird der erste Hitzetest der Saison in Spielberg auch zu einem Praxischeck für eine FIA-Sicherheitsmaßnahme, die noch längst nicht jeden überzeugt.
Ganz einig ist sich das Feld dabei nicht. Oscar Piastri sagte in Spielberg, er werde die Weste „wahrscheinlich“ benutzen, weil sie „ein bisschen helfen kann“. Genau diese geteilte Einschätzung macht das Wochenende in Österreich so relevant: Erstmals zeigt sich unter realen Rennbedingungen, ob das neue Kühlsystem ein echter Fortschritt ist oder vor allem ein Kompromiss, den viele Fahrer nur widerwillig akzeptieren.
© Morio