Fast 20 Jahre nach seiner öffentlichen Verteidigung von Rascassegate hat Jean Todt umgesteuert. Im High Performance Podcast erklärte der frühere Ferrari-Teamchef, Michael Schumacher habe 1997 in Jerez bei der Kollision mit Jacques Villeneuve und 2006 im Monaco-Qualifying an der Rascasse bewusst gehandelt, und dass ihn beide Ausraster jeweils die WM kosteten. „Ich meine, er ist absichtlich in ihn hineingefahren, aber er hat es schlecht gemacht … Michael war ein unglaublicher Typ. Aber jedes Mal, wenn er die Kontrolle verlor, zahlte er das sehr teuer … Also kostete es ihn die Meisterschaft. Wie übrigens 2006, im Qualifying von Monte Carlo mit Alonso, wo er sich absichtlich drehte. Er musste vom Ende der Startaufstellung losfahren, es kostete ihn ebenfalls die Meisterschaft“, sagte Jean Todt, damaliger Ferrari-Teamchef, im High Performance Podcast.
Das WM-Finale 1997 in Jerez begann mit einem hauchdünnen Vorsprung für Schumacher. Er reiste mit einem Punkt vor Jacques Villeneuve an. Im Qualifying fuhren drei Fahrer identische Polerunden von 1:21,072 Minuten, Villeneuve stand auf Pole. Im Rennen griff Villeneuve in der Dry-Sac-Kurve innen an, Schumacher lenkte in den Williams, strandete im Kies. Villeneuve wurde Dritter und holte den Titel. Anschließend disqualifizierten die Offiziellen Schumacher als bislang einzigen Fahrer von einer gesamten WM-Saison, wie die damaligen Entscheidungen festhielten.
In Monaco 2006 trug sich die zweite Szene zu. Schumacher lag im Ferrari nach dem ersten Run auf provisorischer Pole. Kurz vor Schluss parkte er sein Auto an der Rascasse, die Rennleitung strich ihm daraufhin die Pole und versetzte ihn ans Ende des Feldes. Fernando Alonso erbte die Pole und gewann das Rennen. Schumacher kämpfte sich auf Platz fünf und verlor die Meisterschaft am Saisonende mit 13 Punkten Rückstand auf Alonso. Auch diesen Bogen schlug Todt deutlich: „Die zwei Fehler, die er machte, kosteten ihn die Meisterschaft“, sagte Jean Todt, damaliger Ferrari-Teamchef, im High Performance Podcast.
Todt führte Schumachers Verhalten auf den Moment zurück. „Es war nur aus Emotion … wenn man in der Aktion ist, reagiert das Gehirn anders … Als er sah, dass er die Meisterschaft verlieren würde … versuchte er es auf falsche Weise … Es war ein schlechter Zug. Es war nicht nötig“, sagte Jean Todt, Ex-Ferrari-Teamchef, im High Performance Podcast.
Die neuen Aussagen stehen quer zu Todts öffentlicher Linie direkt nach Monaco 2006. „Wir sind damit völlig nicht einverstanden … Ohne echte Beweise haben die Kommissare angenommen, dass er schuldig ist“, erklärte Jean Todt, Ferrari-Teamchef, gegenüber den Medien nach der Entscheidung der Stewards in Monaco 2006. Heute stellt er klar, dass Schumacher in beiden Fällen bewusst handelte und dafür auf der größten Bühne bezahlte.