Ralf Schumacher hat seine zehn Jahre in der Formel 1 als von fehlender Privatsphäre und ständigem Vergleich mit seinem Bruder Michael geprägt beschrieben. Im Interview mit der Abendzeitung München sagte der frühere Grand-Prix-Sieger, die Zeit in der Königsklasse sei für ihn „schwer und schwierig zu handhaben“ gewesen.
Ralf erklärte, dass ihn nicht nur der Sport selbst belastet habe, sondern vor allem das Leben unter dauernder Beobachtung. „Du hast keine Privatsphäre mehr. Wo auch immer du bist, was auch immer du tust, du fühlst dich beobachtet und vor allem beurteilt. Es ist unangenehm“, sagte der 50-Jährige.
Besonders schwer sei die Situation gewesen, weil er als jüngerer Bruder eines der erfolgreichsten Fahrer der Formel-1-Geschichte antrat. Michael Schumacher gewann sieben Weltmeistertitel und steht damit gemeinsam mit Lewis Hamilton an der Spitze dieser Statistik. „In meinem Fall war es natürlich etwas schwieriger, weil ich einen sehr erfolgreichen Bruder hatte“, sagte Ralf. Die ständigen Vergleiche hätten den Druck nur weiter erhöht.
Er schilderte auch, wie sehr ihn die öffentliche Aufmerksamkeit im Alltag einschränkte. Eigentlich habe er sich immer Ruhe gewünscht, habe Fans in normalen Situationen aber kaum abweisen können. Er könne nicht einfach sagen: „Bitte, heute nicht. Ich sitze hier im Restaurant mit meinen Freunden“, weil sofort der Eindruck entstehe: „Ist er so arrogant, dass er nicht einmal für ein Foto aufstehen kann?“
Dabei weist Ralfs eigene Bilanz deutlich über die Rolle des „Bruders von“ hinaus. Er fuhr von 1997 bis 2007 in der Formel 1 und gewann sechs Grands Prix für Williams und Toyota. Trotzdem wurde seine Karriere immer wieder an den deutlich größeren Erfolgen Michaels gemessen.
Gerade deshalb bleibt sein Sieg beim Großen Preis von Kanada 2001 ein besonderer Bezugspunkt. Damals gewann Ralf vor Michael und sorgte damit für das erste Bruder-Doppel in der Geschichte der Formel 1. Vier weitere Male belegten die Schumacher-Brüder später gemeinsam die ersten beiden Plätze, auch wenn die Reihenfolge dabei mehrfach zugunsten von Michael ausfiel. Für Ralf unterstreicht das, dass seine eigene Formel-1-Karriere trotz des ständigen Schattens des siebenmaligen Weltmeisters sportlich Gewicht hatte.
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